11.06.2026
Der nachfolgende Text wurde vom Umweltministerium Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt.
Auf den Seiten des NABU Reutlingen finden sich weitere interessante Eindrücke des Ehrentages. Mehr erfahren

Mit der Aktion „Ehrentag“ würdigte Herr Bundespräsident Steinmeier im Rahmen des diesjährigen Grundgesetz-Geburtstages mustergültiges ehrenamtliches Engagement und regte zum Mitmachen an. Auf eine Anfrage des Bundespräsidialamtes, im Rahmen dieser Aktion
einen Termin in Baden-Württemberg zu den Themen Archäologie und Naturschutz durchzuführen, hatte Referat 74 des Umweltministeriums vorgeschlagen, diesen im Bereich des Biosphärengebiets Schwäbische Alb (BSG) durchzuführen. Dort gibt es zu beiden Themen gut funktionierende, ehrenamtlich tätige Initiativen und Gruppierungen, die in ihrer Arbeit auch vom BSG unterstützt werden.
Im Rahmen einer kurzen Wanderung in schöner Naturkulisse am Albtrauf südöstlich von Neuffen und einem Besuch des Biosphärenzentrums in Münsingen traf der Bundespräsident an mehreren Stationen auf ehrenamtlich Engagierte, die ihm ihre Projekte und ihr Handeln vorstellten. Das von der UNESCO ausgezeichnete BSG Schwäbische Alb verbindet hier mustergültig die gewachsenen Strukturen des Ehrenamts mit den dort lebenden und wirtschaftenden Akteuren.
Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden des Lenkungskreises des BSG Schwäbische Alb, Herrn RP Klaus Tappeser, den Bürgermeistern der Zweckverbandregion Heidengraben (BM Sigmund Ganser, BM Roman Weiß, BM Patrick Docimo), Herr Achim Nagel (Leiter BSG Schwäbische Alb) und Herr Dr. Schaal (RL Ref. 74 UM) wurde dem Bundespräsidenten vom Heidengrabenturm aus der Blick über das Areal des ehemaligen keltischen Siedlungsraums erläutert.
Herr Joachim Lehmkuhl (Ehrenamtl. Archäologischer Dienst), weitere in der Archäologie ehrenamtlich Engagierte sowie der Landeskonservator Herr Dr. Jörg Bofinger gaben dem Bundespräsidenten einen Überblick über die ehrenamtlichen Aktivitäten im Bereich Archäologie.
Ausgehend vom Parkplatz am Heidengrabenturm führte die rund 3 km lange Wandung auf dem Hauptwanderweg HW1 („Albsteig“) und dem Premiumwanderweg „hochgehkeltert“ dem Albtrauf entlang in Richtung Hohenneuffen. Mit dem Bundespräsidenten unterwegs waren Ehrenamtliche, Vertreterinnen und Vertreter des Biosphärengebiets sowie Wanderer aus der Region.
Der erste Zwischenstopp erfolgte an der Blauer-Rank-Hütte zu den Themen Naturerleben sowie Erhalt Infrastruktur und Wanderwege. Frau Regine Erb vom Schwäbischen Albverein e.V. erläuterte dem Bundespräsidenten zusammen mit weiteren Vertreterinnen und Vertretern des Vereins und den Wegewarten der „hochgehberge“ die
vielen regelmäßig durchzuführenden Arbeiten, die zum Erhalt der Wanderwege für die Allgemeinheit notwendig sind.
Der Bundespräsident half den Wegewarten dabei, einen bemoosten Wegweiser zu reinigen. In diesem Zusammenhang wurde er gefragt, was das Schilderputzen mit dem Grundgesetz zu tun hätte:
„Nicht das Schilderputzen hat was mit dem Grundgesetz zu tun, aber das Ehrenamt und der Einsatz von Freiwilligen, weil diese Gesellschaft nicht dieselbe wäre, gäbe es die vielen Freiwilligen – Gott sei Dank Millionen
von Freiwilligen – nicht, die sich um mehr kümmern als nur um sich selbst, nämlich um das Gemeinwesen und die Demokratie in diesem Lande. Und deshalb sage ich immer, auch hier, ohne das Ehrenamt wäre die Gesellschaft kälter, ärmer und deshalb ist Ehrenamt das Rückgrat der Demokratie. Es ist so einfach und trotzdem müssen wir es gelegentlich sagen.“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Der nächste Zwischenstopp erfolgte auf dem Gleitschirmfliegerplatz oberhalb der Stadt Neuffen, wo es um das Thema Naturschutz und Erhalt der Kulturlandschaft ging. Dort wurde der Bundespräsident vom Esslinger Landrat Marcel Musolf begrüßt.
Anschließend erläuterte Hr. Bernhard Etspüler zusammen mit weiteren Ehrenamtlichen vom NABU Neuffen-Beuren e.V. den Blick in die reichhaltige Kultur- und Naturlandschaft. Diese Landschaft mit ihren charakteristischen Arten verschwindet, wenn sie nicht fortwährend gepflegt wird, so die Botschaft der Ehrenamtlichen.
Es schloss sich ein kleines Wiesenblumenquiz an. Dabei wurde dem Bundespräsidenten auch die vom Bundesamt für Naturschutz finanzierte App „Flora Incognita“ vorgestellt, die den Ehrenamtlichen hilft, im Gelände auch seltene Pflanzen sicher zu bestimmen.
Vom Schwarzen Turm der Burgruine Hohenneuffen aus ist der Streuobstgürtel des Albvorlands gut zu erkennen. Vor dieser Kulisse erläuterten Hr. Rudolf Thaler (OGV Bissingen) sowie Vertreter weiterer Obst- und Gartenbauvereine der Region die Bedeutung des Erhalts und einer sachgerechten Pflege im Streuobst. Als Mitmachaktion veredelte der Bundespräsident einen jungen Obstbaum.
In den Mauern der Burgruine wurde der Bundespräsident durch die Direktorin Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Frau Patricia Alberth begrüßt und über die Bedeutung des Hohenneuffen für die Gründung Baden-Württembergs informiert.
Nach dem Mittagessen fuhr der Bundespräsident durch den ehemaligen Truppenübungsplatz, wo er von den Herren Marco Reeck und Georg Herrendorf der Bundesforstverwaltung begrüßt wurde, danach weiter zum Biosphärenzentrum nach Münsingen.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Landrat Dr. Ulrich Fiedler und Herrn BM Mike Münzing stellte die Leiterin des Biosphärenzentrums, Frau Miriam Elliger, dem Bundespräsidenten das Biosphärenzentrum vor.
Anschließend stellten sich zahlreiche ehrenamtlich tätige Gruppen mit ihrer Arbeit vor zu den Themen „Naturschutz und Jugend“, „Naturschutz im Ehrenamt im Biosphärengebiet: die Naturschutzverbände“ und „Naturschutz-Nachwuchs: das Junior-Ranger-Programm im Biosphärengebiet.“
Im Biosphärenzentrum stellte der Vorsitzende des BNAN e.V., Herr Jürgen Zimmerer, das mittlerweile seit 50 Jahren bestehende Naturschutzjugendlager des Bund Naturschutz Alb Neckar e.V. (BNAN) vor. Die anwesenden Jugendlichen berichteten dem Bundespräsidenten über ihre Erfahrungen bei der Biotoppflege, dem Nistkastenbau und Ausflügen. Sie konnten ihm nachdrücklich ihre Begeisterung für diese Naturschutzarbeit vermitteln.
Im Garten des Biosphärenzentrums präsentierten verschiedene Naturschutzverbände und -gruppierungen (NABU, BNAN, BUND, Schwäbischer Albverein) ihre Tätigkeitsschwerpunkte.
Herr Albrecht Gorthner überreichte dem Bundespräsidenten einen Holz-Laubfrosch als Sinnbild für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und dem Biosphärengebiet an den Reutlinger Markwasen-Tümpeln zugunsten des Laubfroschs.
An der letzten Station auf der Terrasse vor dem Biosphärenzentrum wartete eine Mitmachaktion mit dem Junior-Ranger-Programm im Biosphärengebiet, bei der Frau Florentine Anderson vom Umweltbildungszentrum Listhof in Reutlingen in Kooperation mit dem NABU Reutlingen Erläuterungen gab.
Die Junior-Rangerinnen und -Ranger zeigten dem Bundespräsidenten, wie man Löcher in Holzklötze als Nisthilfe für Wildbienen bohrt. Der Bundespräsident ließ es sich nicht nehmen, selbst Hand anzulegen. Eines der Hotels nahm er mit nach Hause. „Wir haben in Berlin auch Bienen“, erzählte er den Jungs und Mädchen, mit denen er sich gemeinsam vor dem Banner „Der Ehrentag – Für Dich – Für uns – Für alle“ fotografieren ließ.
Der Bundespräsident zeigte sich beeindruckt vom ehrenamtlichen Engagement der Kinder und Jugendlichen und auch aller weiteren ehrenamtlich Tätigen, die er während seines Besuchs im Biosphärengebiet Schwäbische Alb an diesem Tag kennengelernt hat.
Der Bundespräsident dankte allen Freiwilligen sowie den Ehren- und Hauptamtlichen, die sich für die Pflege von Flora und Fauna im Biosphärengebiet Schwäbische Alb engagieren:
„Sie bewahren den Schatz für nachfolgende Generationen. Wir brauchen Menschen, die anpacken, das Land besser machen und es nicht schlechtreden“, so Steinmeier. „Wir brauchen Engagierte, die die Menschen zusammenführen und nicht gegeneinander treiben.“
Mit seiner Reise auf die Schwäbische Alb würdigte der Bundespräsident das ehrenamtliche Engagement als tragende Säule der Gesellschaft. Vor Ort unterstrich er einmal mehr, dass lebendige Demokratie überall dort entstehe, wo Menschen Verantwortung übernehmen, sei es in der Naturschutzarbeit, in der Umweltbildung oder in der Gemeinschaft. Demokratie passiere nicht nur in Berlin, so Steinmeier, sondern auch beim Pflegen von Streuobstwiesen, beim Müllsammeln entlang der Wanderwege oder beim Zeltlager in der Region.
Zum Abschluss seines Besuchs trug sich Bundespräsident Steinmeier in das Goldene Buch des Biosphärenzentrums ein.
Organisation: Rainer Striebel, Dr. Reinhold Schaal, Umweltministerium BW Ref. 74, Geschäftsstelle BSG Schwäbische Alb