01.07.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Stuttgart / Mössingen – Die Hitzewelle mit Rekordwerten bis 40 Grad bereits im Juni hat am Wochenende nicht nur Krankenhäuser ans Limit gebracht. Zehn Hitzetage in Folge und tropische Nächte lassen Menschen und Tiere ohne Erholungspausen. Die Folgen sind auch für die Natur im Land teils dramatisch.
Während sich mobile Tiere in naturnaher Umgebung an kühlere Orte zurückziehen können, sind andere der Hitze schutzlos ausgesetzt. Besonders betroffen sind Gebäudebrüter wie Mauersegler, Schwalben und Haussperlinge. Ihre Nistplätze unter Dächern und in Gebäudenischen heizen sich bis auf 60 Grad und mehr auf. Um der tödlichen Hitzefalle zu entfliehen, stürzten am Wochenende vielerorts noch nicht flugfähige Jungvögel auf der Suche nach einem kühleren Ort aus dem Nest. Die Folge: sehr viele tote, verletzte und geschwächte Tiere, die zum Teil in Pflegestationen gebracht wurden.
„Wegen der extremen Hitzewelle ist die Kapazität vieler Vogelpflegestationen erschöpft. Auch das NABU-Vogelschutzzentrum musste am Freitag einen Aufnahmestopp verhängen. Wir sind komplett belegt und arbeiten an der Belastungsgrenze“, teilt der Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums in Mössingen, Daniel Schmidt-Rothmund, mit. Allein am Donnerstag wurden 60 hilfsbedürftige Mauersegler, Schwalben und Spatzen dort abgegeben. Im ganzen Land kümmern sich Menschen auch ehrenamtlich in ihrer Freizeit rund um die Uhr um verletzte Vögel.
„Unsere Natur ist nicht irgendwann in der Zukunft von der Klimakrise bedroht – sie ist bereits heute am Limit. Immer frühere und intensivere Hitzewellen treffen viele Tiere mitten in der Brut- und Aufzuchtzeit. Unter den Arten gibt es deutlich mehr Klimaverlierer als -gewinner. Sie brauchen jetzt schnelle Hilfe. Die Landesregierung darf das Ehrenamt mit dieser Krise nicht allein lassen“, warnt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Er fordert Landwirtschaftsministerin Marion Gentges daher auf, das seit rund zehn Jahren angedachte und im Koalitionsvertrag angekündigte Konzept für Wildtierauffangstationen endlich mit hoher Priorität anzugehen. „Die wenigen Wildtierauffangstationen und ehrenamtlichen Pflegestellen im Land sind permanent überlastet. Ihre Arbeit beruht zu einem großen Teil auf privater Initiative, Spenden und dem außergewöhnlichen Einsatz von Ehrenamtlichen. Doch durch extreme Wetterereignisse steigen die Zahl der Notfälle, der Pflegeaufwand und die Kosten. Es ist Zeit zu handeln“, so Enssle.
Das Landeskonzept solle anerkannte Pflegestationen zentral erfassen, besser vernetzen und fachlich unterstützen. Notwendig seien klare Zuständigkeiten, eine landesweite Ansprechstelle und eine verlässliche Finanzierung für die Versorgung verletzter und hilfsbedürftiger Wildtiere. „Die betroffenen Verbände, Einrichtungen und ehrenamtlichen Pflegestellen müssen frühzeitig in die Erarbeitung des Konzepts einbezogen werden“, so Enssle weiter.
Konsequenzen ziehen aus aktueller Hitzekrise – das fordert der NABU:
1. Klimaschutz konsequent vorantreiben
Die Weltgemeinschaft und damit auch wir in Deutschland müssen unsere Klimaschutzziele konsequent verfolgen und wirksame Maßnahmen zur schnellen Senkung der Treibhausgasemissionen umsetzen. Denn jeder weitere Temperaturanstieg verschärft den Druck auf uns Menschen, auf Tiere, Pflanzen und ihre Lebensräume.
2. Grün-blaue Infrastruktur kühlt und hält Wasser in der Landschaft
Baden-Württembergs Städte und Gemeinden sind Hotspots in der Klimakrise. Versiegelte Flächen, fehlendes Grün, verbaute Gewässer und zu wenig Luftaustausch durch zu dichte Bebauung schaffen Wärmeinseln und lassen Menschen und Tiere leiden. Besonders betroffen: der Oberrheingraben, die Rhein-Neckar-Region und die Region Stuttgart. Die Lösung: Mehr Bäume, entsiegelte Flächen, begrünte Dächer und Fassaden sowie Versickerungsflächen.
Gebäudebrüter müssen dabei von Anfang an mitgedacht werden, indem bei Neubauten und Sanierungen ausreichend hitzeresiliente Nistmöglichkeiten erhalten werden oder neu entstehen.
Auch in der freien Landschaft ist ein Umdenken nötig, weg von begradigten und eingetieften Gewässern, hin zu Flüssen mit Auen, die Wasser zurückhalten und in der Landschaft speichern können. Mehr grün-blaue Infrastruktur kühlt die Umgebung und schafft Lebensräume. Davon profitieren Menschen und Wildtiere gleichermaßen.
3. EU-Wiederherstellungsverordnung entschlossen umsetzen
Intakte Moore, Wälder, Auen, Gewässer und artenreiche Grünflächen speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und machen Landschaften widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre und Starkregen. Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur ist deshalb ein wichtiges Instrument zur Bewältigung der Klima- und Artenkrise. Statt zu bremsen, muss sich Baden-Württemberg intensiv für eine ambitionierte Umsetzung dieser Verordnung einsetzen und die notwendigen Maßnahmen im Land zügig vorbereiten. Wird die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme weiter verzögert, droht der Verlust zahlreicher Arten und Lebensräume.
4. Wildtierauffangstationen und Ehrenamtliche dauerhaft unterstützen
Wer verletzte und hilfsbedürftige Wildtiere versorgt, übernimmt eine wichtige Aufgabe des Tierschutzes. Dieses Engagement braucht nicht nur anerkennende Worte, sondern auch ausreichend Kapazitäten und eine stabile Finanzierung. Das für Tierschutz zuständige Landwirtschaftsministerium ist gefordert, gemeinsam mit den betroffenen Einrichtungen und Verbänden ein landesweites System mit klaren Zuständigkeiten, fachlicher Beratung, Vernetzung und dauerhafter Finanzierung aufzubauen. „Die Helferinnen und Helfer können die Folgen immer neuer Extremwetterereignisse nicht dauerhaft mit privaten Mitteln und bis zur persönlichen Erschöpfung auffangen. Das Land muss jetzt Verantwortung übernehmen. Die Vorschläge liegen schon seit Jahren auf dem Tisch. Es ist gut, dass der Koalitionsvertrag vorsieht, diese jetzt endlich umzusetzen“, betont Enssle.
Erste-Hilfe-Tipps bei gefiederten Hitzeopfern
Akute Notfallhilfe:
• Nistplätze in praller Sonne können zu Todesfallen werden. Damit junge Mauersegler und Schwalben nicht überhitzen, fliehen sie mitunter aus dem Nest. Wer an Hitzetagen, wie in den vergangenen Wochen, einen gefiederten Jungvogel (Ästling) unterm Nest findet, sollte erst prüfen, ob dieser von den Eltern versorgt wird. Ist der Vogel unverletzt, dann am besten in ein Gebüsch etwas erhöht setzen und dort in einer flachen Schale Wasser anbieten. Sind die Eltern da, kann der Ästling dort bleiben.
• Bei unbefiederten Jungvögeln muss man prüfen, ob es im Nest zu heiß ist, um ihn dorthin zurückzusetzen. Bei hohen Außentemperaturen kann es in Nestern unterm Dach oder im Freien 60 bis 80 Grad heiß werden. Dann das Tier lieber in einen dunklen Karton mit Luftlöchern an einen kühlen Ort bringen und eine Auffangstation kontaktieren.
• Ein junger Mauersegler am Boden braucht immer Hilfe, weil er nicht vom Boden losfliegen kann und auch nicht von seinen Eltern versorgt wird.
Langfristige Strategie:
• Naturnahe Lebensräume für Vögel schaffen, damit sie der Hitze entfliehen können. Für ausreichend natürliche Nahrung wie Beeren, Insekten und Sämereien sorgen. Heimische Hecken und Bäume bieten Schatten. Heimische Stauden bieten Insekten Nahrung, welche wiederum für andere Arten die Nahrungsgrundlage darstellen.
• Wasser bereitstellen: Flache Schalen mit rauem Boden mit frischem Wasser im Halbschatten aufstellen. Ein kleiner Stein in der Mitte dient Insekten als Landeplatz und Ausstiegshilfe. Die tägliche Reinigung der Tränke schützt Tiere vor Krankheiten.
• Neue Nisthilfen so anbringen, dass sie nicht der ständigen Sonne ausgesetzt sind. Vorhandene Nester im Auge behalten und am Boden regelmäßig nach Hitzeflüchtlingen schauen.
• Jetzt nicht den Garten mähen, denn das sorgt bei Pflanzen für zusätzlichen Hitzestress und kann zu einer Austrocknung der Pflanze und des Bodens führen.
Weitere Infos
• Tieren in Not helfen - NABU BW
30.06.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Rastatt / Stuttgart – Die Fischadlerfamilie in Baden-Württemberg wächst weiter. Zum vierten Mal haben die imposanten Greifvögel auf einem im Wald installierten Horst am Oberrhein bei Rastatt gebrütet. Jetzt wurden die Jungvögel vom NABU im Beisein von Umweltstaatssekretär Andre Baumann beringt, der als Star Wars-Fan zwei symbolträchtige Namen vorschlug: „Luke und Leia zeigen, wie viel Erneuerungskraft in der Natur steckt – ganz ohne Spezialeffekte haben die Fischadler ihre Jungen aufgezogen und gegen Feinde verteidigt. Die Rückkehr der Fischadler nach Baden-Württemberg belegt, dass Visionen wahr werden können, wenn Fachwissen und Leidenschaft zusammenkommen. Ich wünsche dem NABU und seinem Projektteam weiter viel Erfolg. Möge die Macht der Natur weiter mit Luke und Leia sein“, so Baumann mit einem Augenzwinkern. Die Beringung live miterlebt haben auch die Landtagsabgeordneten des Landkreises Rastatt, Dr. Alexander Becker (CDU) und Thomas Hentschel (Grüne).
Langfristiger Artenschutz zahlt sich aus
Es ist die dritte erfolgreiche Brut, seitdem die Greifvögel 1907 im Südwesten ausgerottet worden waren und dann nach 116 Jahren erstmals 2023 wieder Jungtiere geschlüpft sind. Denn vergangenes Jahr hat ein Nesträuber, vermutlich ein Baummarder, die vier Eier von Weibchen Chronos und Männchen Kepler gefressen. „Dramen im Nest gibt es immer wieder. Wichtig ist, dass wir in Baden-Württemberg im Artenschutz vorankommen, dafür sind der Schutz und die Wiederherstellung von Lebensräumen elementar. Angesichts des dramatischen Artensterbens ist der Fischadler-Nachwuchs ein toller Lichtblick mit einer Botschaft: Dranbleiben lohnt sich. Geduld, Leidenschaft und Ausdauer zahlen sich aus“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle.
Das Engagement des NABU für den Fischadler ist nicht ganz so alt wie „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983). Aber bereits seit 1990 setzt sich Daniel Schmidt-Rothmund, Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums, im Rahmen eines Langzeit-Forschungs- und Artenschutzprojekts für die Fischadler ein. Mit dem diesjährigen Nachwuchs sind insgesamt sieben Jungvögel in Rastatt flügge geworden. Damit steigt die Chance, dass in den nächsten zehn Jahren mehrere Fischadlerpaare im Südwesten ihren Nachwuchs großziehen. Unterstützt werden sie dabei vom NABU, der weitere Nisthilfen in luftiger Höhe für die Fischjäger anbringt. Von den vier in Deutschland vorkommenden Adlerarten (See-, Schrei-, Stein- und Fischadler, alle gefährdet) sind sie die einzigen, die wieder in Baden-Württemberg brüten.
Zwei Ringe zur Wiedererkennung
Zum Beringen erklimmt Profi-Kletterer Max Unger den Horst und seilt die Jungtiere vorsichtig aus 25 Metern Höhe sicher in einem Sack ab. Unten angekommen, fallen die Vögel in eine Schreckstarre und erhalten einen ersten Gesundheitscheck, werden gewogen und vermessen. Das Ergebnis: „Die beiden – vermutlich ein Weibchen und ein Männchen – haben ein prächtiges Gefieder ausgebildet und die Hitzephase zum Glück gut überstanden. Die Vögel riechen intensiv und ganz typisch nach Fisch. Ihre Eltern haben einen super Job gemacht und die Jungen trotz wechselhaftem Wetter gut geschützt“, erklärt Schmidt-Rothmund. Mit ihrem etwa fünf Gramm leichten Ring an jedem Bein sind die Tiere eindeutig identifizierbar. Nach wenigen Minuten geht es mit dem Seillift sicher nach oben, zurück in die Kinderstube über den Baumwipfeln. Im Horst kehrt binnen weniger Minuten wieder Familien-Normalität ein. Mitte Juli werden die Jungvögel ihre ersten Flugübungen machen. Im August verlassen sie die badische Oberrheinebene und legen rund 5.000 Kilometer bis ins westliche Afrika zurück, wo sie überwintern.
Fischadler im Südwesten
• Bruterfolg: Im Jahr 2023 haben Chronos und Kepler als erstes Fischadlerpaar nach über 115 Jahren erfolgreich in Baden-Württemberg gebrütet. Seitdem wurden sieben Jungtiere beringt.
• Ausrottung: Im 19. Jahrhundert war der Fischadler in Baden-Württemberg noch entlang von Donau, Rhein, Neckar sowie an Kocher und Jagst beheimatet. Als vermeintlichen Nahrungskonkurrenten jagten Menschen den Greifvogel erbarmungslos, plünderten seine Gelege und fällten Horstbäume, bis zu seiner Ausrottung 1907 im Südwesten.
• Rückkehr: Aktuell leben zwei Fischadlerpaare am Oberrhein, auf deutscher und französischer Seite, einige Kilometer entfernt voneinander. Die Jungtiere von 2023 und 2024 vagabundieren aktuell umher. Ob sie sich in Frankreich, in der Schweiz oder an ihrem Heimatort am Oberrhein niederlassen, ist offen. Mögliche Reviere wären an der Donau, am Rhein oder am Bodensee.
• Besonderheit: Fischadler jagen oberflächennah nach Fischen wie Brachsen und Rotaugen, die sie mit ihren Fängen zielsicher greifen. Gekrümmte Krallen, raue Schuppen und ein Wendezeh verhindern, dass die Fische beim Fangen durchflutschen. Damit ihr Gefieder beim Tauchen nicht durchnässt, fetten und pflegen sie es akribisch.
• Engagement: NABU-Ornithologe Dr. Daniel Schmidt-Rothmund setzt sich seit Jahrzehnten für die Rückkehr der Fischadler in den Südwesten ein, was viel Zeit, Energie, Geduld und viel Geld erfordert. Mehr als 30 Plattformen hat der NABU seitdem auf hohen Bäumen installiert. Möglich machen das ein großes Netz aus Ehrenamtlichen, vogelbegeisterten Spenderinnen und Spendern sowie die Bereitschaft von ForstBW, Gemeinden und Privatwaldbesitzenden, ihre Flächen zur Verfügung zu stellen. Im Zuge eines Projekts mit der französischen Partnerorganisation LPO (Liga für Vogelschutz) am Oberrhein kamen zehn Nisthilfen beidseits des Rheins zwischen Basel und Karlsruhe hinzu.
• Kooperation: Das Fischadler-Projekt ist durch die sehr gute Zusammenarbeit mit der LPO Alsace, ein Interreg-Projekt des NABU Südbaden und die Kooperation mit dem NABU-Bezirksverband Mittlerer Oberrhein möglich geworden. Die Schweizer Stiftung Pro Pandion, die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe sowie private Spenderinnen und Spendern unterstützen das Projekt finanziell.
Weitere Infos:
• Artenschutzprojekt Fischadler: www.NABU-Vogelschutzzentrum.de/projekte-partner/artenschutzprojekt-fischadler
• Mehr über den Fischadler: www.NABU-BW.de/tiere-und-pflanzen/voegel/arten/greifvoegel/21101.html
• Greifvogel-Patenschaft – Im Einsatz für eindrucksvolle Wildvögel: www.NABU-BW.de/Patenschaften
17.06.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Stuttgart/Fellbach – Zwischen lichten Getreideäckern und blühenden Brachen versteckt sich auf dem Schmidener Feld eine leise Hoffnung: Dort schlüpfen in diesen Tagen die Rebhuhnküken. Jedes überlebende Jungtier ist ein kleiner Schritt nach vorn für den vom Aussterben bedrohten Vogel des Jahres 2026. Im Frühjahr wurden 31 Fellbacher Rebhuhnreviere gezählt – ihre Zahl hat sich seit 2019 mehr als verdreifacht. Ob sich der positive Trend mit den geschlüpften Küken fortsetzt? Darauf hoffte Landrat Dr. Richard Sigel bei seinem Besuch in Fellbach am Dienstag: „Wirksamer Rebhuhnschutz ist ein Langstreckenlauf. Es braucht Jahre, um geeigneten Lebensraum zu schaffen, damit die Tiere überleben und sicher brüten können. Ich freue mich deshalb über die Fortschritte, die nach einem Jahrzehnt gemeinsamer Anstrengungen von Akteurinnen und Akteuren aus Landwirtschaft, Naturschutz, Jägerschaft und Verwaltung hier erreicht wurden.“
Das Schmidener Feld als Modellgebiet
Für das Rebhuhn war es fast zu spät, als sich im Jahr 2016 die Untere Naturschutzbehörde des Rems-Murr-Kreises mit dem Landschaftserhaltungsverband Rems-Murr-Kreis, der Stadt Fellbach, der NABU-Gruppe Fellbach, sowie mit Fellbacher Landwirten, dem Landesjagdverband und der Kreisjägervereinigung Waiblingen zusammenschlossen. Im Jahr 2000 wurden in Fellbach 120 Brutreviere gezählt, 2019 waren es nur noch 10 – ein dramatischer Absturz. „Wir haben einen Notfallplan gestartet, einen Lenkungskreis gegründet und gemeinsam daran gearbeitet, diesen Abwärtstrend in Fellbach zu stoppen“, berichtete Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. Sie erinnerte daran, dass Feldvogelschutz in einem intensiv genutzten Gebiet auf eine gelingende Kooperation aller Beteiligten angewiesen ist: „Viele Menschen aus den umliegenden Wohngebieten besuchen das Schmidener Feld für Sport und Freizeit. Gleichzeitig wird es intensiv landwirtschaftlich genutzt. Damit auch das Rebhuhn hier einen Platz findet, müssen alle an einem Strang ziehen. Wir möchten, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen, was für einen Schatz wir hier vor unserer Haustüre haben. Indem sie auf den Wegen bleiben und Hunde an die Leine nehmen, können die Menschen dem Rebhuhn direkt helfen.“
Seit 2023 ist das Schmidener Feld eines von zwei Modellgebieten im bundesweiten Verbundprojekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“. Im Zuge dessen legten die beteiligten Landwirte weitere mehrjährige Blühflächen an und säten Lichtäcker ein. Für den NABU-Landesvorsitzenden Johannes Enssle sind diese ein Schlüssel zum Erfolg beim Fellbacher Rebhuhnschutz. „Die Agrarlandschaft muss sich verändern, damit Bodenbrüter wie das Rebhuhn darin überleben können. Dazu gehören helle, lichte und ungespritzte Getreidefelder. Weitere wertvolle Licht-äcker entstehen nur, wenn die Landesregierung die Ziele aus dem Biodiversitätsstärkungsgesetz konsequent verfolgt: Zehn Prozent wirksame Refugialflächen in der Feldflur werden durch eine bessere Förderstruktur erreicht. Und mit ihrem Bodenbrüter-Programm muss die Landesregierung einen langen Atem beweisen, denn es wird viele Jahre dauern, um das Rebhuhn vor dem Aussterben zu bewahren“, betonte er.
Blühende Feldwege bieten Schutz
Nahrungs- und Rückzugsflächen für das Rebhuhn sollten in enger Nachbarschaft zueinander liegen, damit die Rebhühner keine weiten Strecken zurücklegen müssen. Je länger die Tiere ohne Deckung unterwegs sind, desto stärker sind sie in Gefahr, leichte Beute von Fuchs, Marder oder Greifvögeln zu werden. Niedrige Hecken bieten den Vögeln auf dem Schmidener Feld wichtige Verstecke und Schutz bei Starkregen. Das rund 800 Hektar große Projektgebiet ist auch mit blühenden Feldwegen durchzogen. Im Schutz hoher Gräser und Wildkräuter können sich die Rebhühner sicher bewegen. „Wir reduzieren hier aktiv und passiv die Gefahr durch Fressfeinde, um die Rebhuhnbestände zu stabilisieren und zu erhöhen. Je mehr unterschiedliche Versteckmöglichkeiten vorhanden sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Rebhühner erfolgreich verbergen können“, weiß René Greiner, Hauptgeschäftsführer des Landesjagdverbands. „Um das Rebhuhn wirksam schützen zu können, ist es entscheidend zu wissen, wo es vorkommt. Dabei leisten sowohl die NABU-Gruppe Fellbach als auch die örtliche Jägerschaft einen wichtigen Beitrag: Sie beobachten die Bestände kontinuierlich und liefern wertvolle Informationen zu Vorkommen und Entwicklung der Tiere. Dieses gemeinsame Engagement zeigt, dass der erfolgreiche Rebhuhnschutz in Fellbach auf dem Einsatz vieler Beteiligter beruht“, betonte Greiner.
Hintergrund:
Das Verbundprojekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“
Das bundesweit größte Rebhuhnschutzprojekt wird von der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen, dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) koordiniert. Von 2023 bis 2029 werden deutschlandweit in zehn Projektgebieten verstärkt Schutzmaßnahmen für den Bodenbrüter ergriffen. Das Rebhuhn ist dabei ein Indikator für die Artenvielfalt in Agrarlandschaften; von Maßnahmen zum Schutz des Rebhuhns profitieren viele weitere Arten der offenen Agrarlandschaft. Die Projektgebiete sind auf acht Bundesländer verteilt und decken insgesamt fast 2.900 km² unterschiedlicher Naturräume ab. Das Projekt in Baden-Württemberg baut auf langjährigen Aktivitäten im Rebhuhnschutz in den Landkreisen Tübingen und Rems-Murr auf. Gefördert wird das Verbundprojekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Das Teilprojekt des NABU Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Landesjagdverband erhält zudem Fördermittel vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.
Deutschlandweit gibt es laut Schätzungen des Bundesamts für Naturschutz noch etwa 21.000 – 37.000 Rebhuhnpaare. Im Südwesten geht die Ornithologische Gesellschaft Baden-Württemberg von 500-800 Brutpaaren aus – Tendenz weiter abnehmend.
Weitere Infos zum Thema: www.NABU-BW.de/rebhuhn-retten
17.06.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Stuttgart – Wer sie in einer Gartenecke hat, kommt früher oder später sicher auf den Geschmack. „Brennnesseln sind vielfältig – sie sind zugleich Heilpflanze, vitaminreiches Gemüse, kostenloser Dünger und Futterpflanze für viele Raupen“, sagt NABU-Pflanzenexpertin Aniela Arnold. Die Fachfrau des NABU Baden-Württemberg plädiert für eine andere Sicht auf das wehrhafte „Unkraut“, das man am besten nur mit Handschuhen anfasst.
Mit dem gefürchteten Brennen schützt sich die Nessel gegen Fressfeinde. Es entsteht, wenn die mit Kieselsäure angereicherten Brennhaare abbrechen, in die Haut eindringen und dort Histamine, Ameisensäure und Acetylcholin freigeben. Neben dieser schmerzhaften Eigenschaft hat die Brennnessel viele positive. Sie ist seit Jahrhunderten als Heil- und Kulturpflanze bekannt. Sie enthält Vitamin A und C, Kalium, Kalzium, Eisen und Chlorophyll. „Der hohe Nährstoff- und Vitamingehalt macht die Brennnessel schon fast zu einem Wundermittel“, sagt Arnold. Paracelsus wusste bereits vor 500 Jahren: „Wenn man sie kocht und mit Pfeffer oder Ingwer mischt und auflegt, hilft dies bei Gelenkschmerzen.“ Bis heute werden Brennnesseln als pflanzlicher Wirkstoff bei verschiedenen Beschwerden, wie leichten Gelenkschmerzen, eingesetzt. Die Samen sind essbar, sie werden in vielen Kulturen als Aphrodisiakum genutzt. 2022 war die Große Brennnessel sogar Heilpflanze des Jahres.
Auch im Garten ist die Nessel nützlich. Brennnessel-Brühe ist ein gutes Mittel gegen Blattläuse und Milben. Als Jauche ist die Pflanze ein kostenloser Stickstoffdünger, der leicht hergestellt werden kann: Die Pflanzen vor der Blüte ernten und in einen Eimer mit Regenwasser geben. Zwei Wochen stehen lassen und im Verhältnis eins zu zehn verdünnen – fertig!
Nicht nur für uns Menschen bietet die Brennnessel viel Gutes, auch Insekten lieben sie. „Die Brennnessel ist Raupenfutterpflanze für mehr als 30 heimische Falterarten, darunter Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral“, so Arnold. Um mehr über die Beziehung zwischen Insekt und Pflanze zu erfahren, hat der NABU eine Meldeaktion zu Raupen an Brennnesseln gestartet.
Meldeaktion: Wo frisst die Raupe?
Wer draußen unterwegs oder im Garten ist, sollte sich Brennnesseln ganz genau anschauen. Im Sommer können die Pflanzen zum Raupen-Hotspot werden. Denn für einige Arten sind sie die einzige Pflanze, auf der die Weibchen ihre Eier ablegen und Raupen sich entwickeln können. Mit der neuen Meldeaktion „Raupen an Brennnesseln“ laden NABU und das Naturbeobachtungsportal NABU|naturgucker unter www.NABU.de/raupen-melden Naturfreundinnen und -freunde dazu ein, selbst zu entdecken, welche Raupen an den Pflanzen zu finden sind und diese bis zum 8. Juli zu melden – auch in Baden-Württemberg. Im Fokus stehen fünf Arten: Tagpfauenauge, C-Falter, Kleiner Fuchs, Admiral und Landkärtchen.
Die Beobachtungen aus der Meldeaktion können helfen, Verbreitung und Häufigkeit der Raupen besser zu dokumentieren und Rückschlüsse auf die Entwicklung der Falterarten zu ziehen. Das ist auch deshalb wichtig, weil Schmetterlinge als Bioindikatoren gelten: Sie reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen von Lebensräumen, Klima und Landnutzung. Ihre Beobachtung gibt frühzeitig Hinweise auf ökologische Veränderungen.
Raupen melden: www.NABU.de/raupen-melden
Tipp: Viele Infos zum Naturgärtnern bietet die kostenfreie Webinar-Reihe „Ein Jahr im Naturgarten“ im Rahmen des Projekts „Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben“.
Weitere Infos: www.MenschNatur.org
16.06.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Stuttgart – Es wird wieder heiß in Teilen Baden-Württembergs. Am Oberrhein klettern die Temperaturen wohl auf über 30 Grad. Während Menschen im Schatten oder am See Abkühlung finden, verschwinden durch die Hitze kleinere natürliche Wasserstellen wie Pfützen und Gräben. Für Tiere in der Stadt und im Garten bedeutet das: weniger Wasser zum Trinken, für die Gefiederpflege oder, für manche Insekten wie Wildbienen, zum Nestbau. Der NABU gibt Tipps, wie man auf dem Balkon und im Garten Wasser nachhaltig nutzen kann und kleine Oasen für Vögel und Insekten entstehen.
Regenwasser sammeln
Wer eine Regentonne oder Zisterne nutzt, kann Regenwasser in niederschlagsreicheren Zeiten auffangen und in trockenen Perioden zum Gießen verwenden. Damit sich dort keine Stechmücken vermehren oder Tiere ertrinken, sollte das Gefäß abgedeckt werden, beispielsweise mit einem feinmaschigen Netz oder einem passenden Deckel.
Effizient gießen
„Gießt man bei starker Sonne, verdunstet viel Wasser, bevor die Pflanzen es aufnehmen können. Außerdem bekommen manche Pflanzen dadurch Brandflecken“, erklärt NABU-Gartenexpertin Aniela Arnold. Sie empfiehlt: früh morgens oder abends gießen und den Boden am Wurzelbereich gründlich durchnässen. Lieber seltener, aber dafür reichlich gießen – so wachsen die Wurzeln tief und die Pflanzen können der Trockenheit besser trotzen. Auch Mulchen, also das Bedecken des Bodens mit organischen Materialien wie Stroh oder Rasenschnitt, hilft dabei, dass weniger Wasser verdunstet.
Bade- und Trinkstellen für Tiere schaffen
„Saubere und sichere Bade- und Trinkstellen sind bei Hitze überlebenswichtig für viele Tiere“, weiß NABU-Ornithologe Stefan Bosch. Vogelbäder gibt es im Fach- und Gartenhandel. „Eine flache Schüssel oder ein Blumentopf-Untersetzer tun es aber auch“, so Bosch. Die Vogeltränke sollte am Rand flach sein. Ideal sind unterschiedliche Wassertiefen zwischen 2,5 und 10 Zentimetern. Wichtig ist auch, dass der Boden der Tränke rau ist, so dass Vögel genügend Halt finden. Damit die Wasserstelle nicht zur Keimschleuder wird, muss das Wasser bei hohen Temperaturen täglich gewechselt werden. Wer jetzt Vogeltränken aufstellt, hilft nicht nur Vögeln: Igel, Eichhörnchen, Eidechsen und Insekten können hier trinken. Kleine Steine oder Äste erleichtern den Zugang und dienen gleichzeitig als Flugplatz für Insekten.
Teich anlegen
Ein Gartenteich ist Mikro-Klimaanlage und Biotop zugleich. Das verdunstende Wasser kühlt die Umgebung und die Wasserfläche bietet einen schönen Anblick. Wird zusätzlich der Uferbereich des Teichs bepflanzt, kann dieser Effekt noch verstärkt werden. Denn auch Sumpfpflanzen verdunsten über ihre Blätter Wasser und sorgen so für Abkühlung. Außerdem kommen Igel, Vögel, Libellen und viele andere Tiere gern zum Trinken an den Teich. Wichtig ist, dass es flache Stellen am Ufer oder Ausstiegshilfen gibt. So können hineingefallene Tiere selbst hinausklettern. Ein guter Platz für einen Teich ist eine ebene, eher halbschattige Stelle im Garten. Solche Teiche werden gerne von Molchen und Libellenlarven besiedelt, die Mücken in Schach halten.
Weitere Infos:
• Gartenteich selber bauen: Anleitung
• Wassertränken für Vögel: Tipps
15.06.2026
Stuttgart – Die Natur muss nicht draußen bleiben: In Gärten, an Gebäuden und in Parks kann jeder Quadratmeter Lebensraum für Vögel, Fledermäuse und Insekten werden. Das NABU-Projekt „Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben“, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert wird und im November 2025 gestartet ist, zeigt, wie biologische Vielfalt im Siedlungsraum erhalten und gefördert werden kann.
Am Freitag, den 12. Juni 2026, trafen sich Vertreterinnen und Vertreter des NABU, der Fördermittelgeber sowie zwölf weiterer Kooperationspartner zur ersten gemeinsamen Projektveranstaltung. Der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle stimmte auf die Zusammenarbeit ein: „Vom Naturschutz über die Kirchen zu den Städten und Gemeinden gemeinsam mit den Praktikerinnen und Praktikern aus Handwerk, Planung und Verwaltung: Das breite Bündnis, in dem wir uns heute treffen, ist ein besonderes Signal für die biologische Vielfalt“, betonte er. „Indem wir unsere Stärken und Netzwerke bündeln, können wir einen wirklichen Unterschied machen.“
Schmetterlinge, Schwalben, Schwammstadt
Mensch.Natur bearbeitet drei Themenbereiche, damit vor Ort Refugien für Wildpflanzen und wildlebende Tiere entstehen. Neben der naturnahen Gestaltung von Grünflächen und Gärten geht es in dem Projekt um Artenschutzmaßnahmen für gebäudebewohnende Vogel- und Fledermausarten sowie die biodiversitätsfreundliche Klimaanpassung von Städten und Gemeinden.
Mithilfe des Projekts können sich alle, die sich in Kommunen und Kirchengemeinden um Grünflächen oder Gebäude kümmern, sowie Garten- und Landschaftsbauer*innen, Energieberatende, Handwerker*innen und Architekt*innen fortbilden, um Biodiversität im Rahmen ihrer Arbeit zu fördern. Kommunen, Kirchen, Vereine und soziale Einrichtungen erhalten außerdem finanzielle Unterstützung.
„Wir freuen uns darauf, innerhalb der sechsjährigen Projektlaufzeit die Begeisterung für biologische Vielfalt in die Fläche zu tragen, sodass neue Lebensräume für viele verschiedene Tiere und Pflanzen im Siedlungsraum entstehen. Mensch.Natur geht dabei weit über Baden-Württemberg hinaus“, unterstreicht Aniela Arnold, Gesamtprojektleiterin beim NABU. In den drei Themenfeldern entwickelt und verbreitet das Projekt in einem bundeslandübergreifenden Netzwerk vorbildliche Lösungen, die deutschlandweit Anwendung finden und als Vorbild dienen sollen.
Vom Güterbahnhof zum nachhaltigen Quartier
Bei einer Exkursion rund um den Veielbrunnenpark im Stuttgarter Neckarpark-Quartier konnten die Teilnehmenden die Projektinhalte live erleben: Welche Pflanzen eignen sich für biodiversitätsfreundliche Außenflächen und Gebäudebegrünung? Wie schafft man Lebensstätten für Fledermäuse und Vögel an Neubauten? Wie lässt sich Vogelschlag an Glas verhindern? Die Expertinnen aus dem Projektteam und Rainer Kapp, Klimatologe bei der Stadt Stuttgart, berichteten, wie auf der Fläche eines ehemaligen Güterbahnhofs dank durchdachter Stadtentwicklung klimaresilienter Lebensraum für verschiedene Arten entstehen kann.
Hintergrund:
• Ziel des Projektes „Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben“ des NABU Baden-Württemberg sowie weiterer zwölf Kooperationspartner ist es, die biologische Vielfalt im Siedlungsraum zu erhalten und zu stärken – in Gärten und Kirchengemeinden, auf öffentlichen Grünflächen und an Gebäuden. Mensch.Natur läuft von 2025 bis 2031 und wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie durch das Umweltministerium Baden-Württemberg. Die Kooperationspartner im Projekt Mensch.Natur sind die badischen und württembergischen evangelischen Landeskirchen und katholischen Diözesen, Städtetag und Gemeindetag Baden-Württemberg, die Architektenkammer Baden-Württemberg, die Akademie für Umwelt und Naturschutz Baden-Württemberg, der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V., der Volkshochschulverband Baden-Württemberg, der Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg sowie der Landesverband für Gebäudeenergieberater, Ingenieure, Handwerker e. V. Baden-Württemberg.
• Mehr Informationen unter: www.MenschNatur.org
08.06.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Stuttgart – Brennnesseln sind für viele Schmetterlinge wichtig: Mehr als dreißig heimische Falterarten, darunter Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge, nutzen sie im Raupenstadium als Futterquelle. Für einige Arten ist die Brennnessel die einzige Pflanze, auf der die Weibchen ihre Eier ablegen und Raupen sich entwickeln können. Beim Admiral dient die Brennnessel sogar als kompletter Lebensraum – vom Ei über Raupe und Puppe bis zum Schlupf des fertigen Falters. Mit der neuen Meldeaktion „Raupen an Brennnesseln“ laden NABU und das Naturbeobachtungsportal NABU|naturgucker Naturfreundinnen und -freunde dazu ein, selbst zu entdecken, welche Raupen an den Pflanzen zu finden sind – auch in Baden-Württemberg. Im Fokus stehen fünf Arten: Tagpfauenauge, C-Falter, Kleiner Fuchs, Admiral und Landkärtchen.
Schmetterlinge als Bioindikatoren
Wie bei vielen anderen Insektenarten sind auch bei den Schmetterlingen die Bestände seit Jahren stark rückläufig. Laut aktueller Roter Liste Schmetterlinge Baden-Württemberg gelten über 50 Prozent aller Arten als gefährdet oder potenziell gefährdet. Wie sich die Bestände bereits im Raupenstadium entwickeln, wird bisher kaum erfasst. Die Beobachtungen aus der Meldeaktion können helfen, Verbreitung und Häufigkeit der Raupen besser zu dokumentieren und Rückschlüsse auf die Entwicklung der Falterarten zu ziehen. Das ist auch deshalb wichtig, weil Schmetterlinge als Bioindikatoren gelten: Sie reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen von Lebensräumen, Klima und Landnutzung. Ihre Beobachtung gibt frühzeitig Hinweise auf ökologische Veränderungen.
Platz im Garten für wichtige Blütenbesucher
Die Beziehung zwischen Raupen und Brennnesseln zeigt, wie komplex und sensibel unsere Natur ist: Brennnesseln dienen den Raupen nicht nur als Nahrung, sondern auch als Schutzraum vor Fressfeinden. Die späteren Falter wiederum tragen als Blütenbesucher zur Bestäubung vieler heimischer Pflanzen bei. Wer Brennnesseln im Garten einen Platz einräumt, kann sich auf bunten Schmetterlingsbesuch freuen.
So funktioniert die Meldeaktion:
1. Beobachten und fotografieren: Wer Brennnesseln z. B. im Garten, an Wiesen, Wegrändern oder auf naturnahen Grünflächen genau anschaut und eine Raupe entdeckt, fotografiert sie.
2. Bestimmen: Welche Art ist es und welcher Falter wird daraus? Hilfe zur Bestimmung gibt es unter www.NABU.de/raupen-melden
3. Melden: Beobachtungen, möglichst mit Foto, können zwischen 8. Juni und 8. Juli gemeldet werden unter www.NABU.de/raupen-melden
Tipp: Viele Infos zum Naturgärtnern bietet die kostenfreie Webinar-Reihe „Ein Jahr im Naturgarten“ im Rahmen des Projekts „Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben“
05.06.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Stuttgart – Der gestrandete Buckelwal in der Ostsee hat viele Menschen tief bewegt. Sie haben mit ihm gehofft, gebangt und mussten am Ende ohnmächtig zusehen. Doch auch direkt vor unserer Haustüre geraten Wildtiere in Not, oftmals unbemerkt. „Naturschutz darf nicht beim einzelnen Notfall enden. Der Fall des riesigen Buckelwals sollte uns motivieren, die großen und kleinen Nöte der Natur in den Blick zu nehmen“, sagt NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes. Sie kennt echte und vermeidliche Sorgenfälle und bittet Tierfreundinnen und -freunde, sich einzubringen für den langfristigen Schutz der Wildtiere im Südwesten. Das ist manchmal leichter als gedacht. Dabei gilt, empathisch gegenüber einzelnen Tieren zu sein, ohne den Blick fürs große Ganze zu verlieren. „Viele Krisen unserer Zeit hängen direkt mit unserem Handeln zusammen. Das heißt aber auch: Wir können in vielen Fällen selbst zu Verbesserungen beitragen und andere motivieren, gemeinsam aktiv zu werden“, so Ickes.
Nicht jedes Jungtier ist in Not
Besonders im Frühjahr und Frühsommer werden viele Jungvögel voreilig mitgenommen – und etwa im NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen abgegeben, das fast jährlich wegen Überfüllung schließen muss. Dabei sind viele Jungvögel keine Waisen. Nur Nestlinge außerhalb des Nests brauchen Hilfe. Befiederte Ästlinge haben das Nest verlassen und sitzen oft nach Futter bettelnd – laut piepend und mit den Flügelchen schlagend – am Boden oder in niedrigen Zweigen. Dort werden sie von den Vogeleltern weiter gefüttert. „Wer einen Jungvogel antrifft, sollte ihn aus der Distanz beobachten. Wirkt er gesund? Sind die Eltern in der Nähe? Dann braucht man nichts weiter zu tun. Ist er durch Verkehr oder die Nachbarskatze gefährdet, sollte man ihn vorsichtig in ein nahes Gebüsch oder auf einen niedrigen Ast setzen. Die Eltern finden ihn wieder“, rät NABU-Artenexpertin Alexandra Ickes. Der NABU hilft mit Infos: Wildvogel in Not – was tun? - NABU
Die neun häufigsten Gefahren und wie sie entschärft werden können
1. Glasflächen vor Vogelschlag sichern
Das Problem: Große Fenster, Glasfassaden, Wintergärten, Bushaltestellen und verglaste Balkonbrüstungen können für Vögel lebensgefährlich sein. Spiegeln sich darin Bäume oder der Himmel, täuscht ihnen das freie Flugbahn vor.
Das hilft: Außen angebrachte, eng gesetzte Muster, Streifen oder Punkte machen Glas sichtbar. Besonders gefährliche Scheiben sollten dauerhaft markiert werden. Einzelne Greifvogelsilhouetten reichen nicht aus.
2. Mähroboter und Motorsensen im Schuppen lassen
Das Problem: Mähroboter sind ein tierfeindlicher Trend. Weil Igel bei Gefahr nicht fliehen, sondern sich einrollen, werden viele durch die scharfen Klingen von Mährobotern verletzt, vor allem in der Dämmerung und nachts. Auch für Blindschleichen oder Kröten sind die Geräte gefährlich.
Das hilft: Mähroboter am besten gar nicht einsetzen, dann haben Blüten und Igel eine Chance. Wer sie unbedingt nutzen will, sollte sie nur tagsüber und unter Aufsicht laufen lassen und nicht im gesamten Garten einsetzen. Vor dem Mähen Wiesenränder, Laubhaufen und Hecken auf versteckte Tiere kontrollieren.
3. Keller- und Lichtschächte sichern
Das Problem: Kröten, Frösche, Molche, Eidechsen, Mäuse oder Igel sind so klein, dass sie fast überall hindurchpassen. Fallen sie in ungesicherte Schächte, müssen sie unentdeckt verhungern oder vertrocknen.
Das hilft: Licht- und Kellerschächte mit feinmaschigen Gittern sichern, regelmäßig kontrollieren und Ausstiegshilfen anbringen, etwa raue Bretter oder spezielle Kleintierleitern. Gullys und Schächte im Umfeld naturnaher Gärten besonders im Frühjahr und Herbst prüfen.
4. Regentonnen, Teiche und Wasserbehälter abdecken
Das Problem: In heißen Sommern ist Wasser für Tiere überlebenswichtig. Offene Regentonnen und steilwandige Wasserbehälter können für Vögel, Insekten, Eichhörnchen, Igel und Amphibien jedoch zur Falle werden.
Das hilft: Regentonnen immer abdecken. In Teichen und Wasserstellen flache Ufer, Steine, Äste oder Ausstiegshilfen einbauen. Wasserschalen für Tiere sollten flach sein und täglich gereinigt werden. Mit einem Stein als Rettungsinsel versehen, können auch Insekten wieder hinausfinden.
5. Langsam und vorausschauend fahren
Das Problem: Baden-Württemberg hat tausende Kilometer Straßen. Auf ihnen kommen wir schnellstens voran, sie zerschneiden aber viele Lebensräume. Amphibien, Rehe, Füchse, Dachse, Igel, Eichhörnchen – die Liste der Tiere ist lang, die jedes Jahr besonders auf Landes- und Kreisstraßen sterben.
Das hilft: Langsam fahren, wo Straßen Lebensräume wie Wälder, Wiesen oder Äcker durchschneiden. Rücksicht nehmen auf Amphibien während der Wanderung. Warnschilder beachten. Kommunen können dauerhafte Leiteinrichtungen, Querungshilfen und Temporeduzierungen prüfen sowie das Land deutlich mehr Grünbrücken und Querungshilfen bauen.
6. Freigang für Katzen zur Brutzeit einschränken
Das Problem: Freilaufende Katzen sind oft vom Menschen unbemerkt erfolgreiche Jäger – und verletzen oder töten geschützte Wildtiere, wie Vögel, Eidechsen und Spitzmäuse.
Das hilft: Katzen während der Brutzeit morgens und in der Dämmerung möglichst im Haus behalten. Jungvögel nicht in Katzennähe sitzen lassen. Verstecke wie dichte Sträucher, Reisighaufen und Trockenmauern schaffen. Brutplätze in Bäumen zum Beispiel durch Kletterhindernisse schützen. Katzen mit einer bunten und reflektierenden Halskrause und Glöckchen können von Vögeln besser wahrgenommen werden.
7. Vielfältige Balkone und Gärten anlegen
Das Problem: Viele Wildbienen und Schmetterlinge brauchen spezielle heimische Blüten sowie offene Bodenstellen, Totholz oder hohle Stängel zum Brüten. Kurzer Rasen, Schotterflächen und Neophyten machen ihnen das Überleben schwer.
Das hilft: Heimische Wildpflanzen pflanzen, seltener mähen, verblühte Flächen als Winterlebensraum stehen lassen, offene Bodenstellen anlegen, auf Pestizide verzichten. Schon ein kleiner Balkon mit verschiedenen heimischen Pflanzen kann helfen.
8. Plastikmüll und Schnüre einsammeln
Das Problem: Unsere Umwelt ist vielerorts vermüllt. Doch Wildtiere verheddern sich leicht in Schnüren, Netzen oder Plastikringen, sie verschlucken Müll oder nutzen ungeeignetes Material beim Nestbau.
Das hilft: Müll mitnehmen und sammeln, Angelschnüre und Netze sicher entsorgen, sich an Müllsammelaktionen beteiligen, weniger Plastikmüll verbrauchen, Dinge wiederverwenden.
9. Störungen in der Brut- und Setzzeit minimieren
Das Problem: Viele Wildtiere, wie das Rebhuhn, Vogel des Jahres 2026, ziehen ihren Nachwuchs gut versteckt am Boden auf. Freilaufende Hunde oder Menschen, die querfeldein laufen, sowie Drohnen können dazu führen, dass Elterntiere aufgescheucht werden und ihre Jungen verlassen.
Das hilft: Auf den Wegen bleiben, besonders in Schutzgebieten. Hunde anleinen. Sensible Bereiche wie Wiesen und Uferzonen meiden. Hinweisschilder beachten. Ruhezonen und -zeiten einhalten.
Weitere Infos:
26.05.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Stuttgart – Die Ergebnisse der 22. „Stunde der Gartenvögel“ sind da: In Baden-Württemberg haben 5.300 Vogelfreundinnen und -freunde vom 8. bis 19. Mai mehr als 97.000 Vögel in 3.600 Gärten gesichtet und gemeldet. „Im Vergleich zum Vorjahr haben weniger Menschen an der Mitmachaktion teilgenommen“, sagt Dr. Stefan Bosch, Fachbeauftragter des NABU Baden-Württemberg für Vögel. Auch die Zahl der Vogelsichtungen nahm ab: „Im dritten Jahr in Folge wurden mit durchschnittlich nur 26,9 weniger als 30 Vögel je Garten gezählt“, so Bosch. Unter den Top 10 der meistgezählten Vogelarten in Baden-Württemberg waren Haussperling, Amsel, Kohlmeise, Star, Blaumeise, Elster, Feldsperling, Mauersegler, Rabenkrähe und Mehlschwalbe.
Spatzen am weitesten verbreitet, aber abnehmend
Platz ein besetzt unverändert der Haussperling, umgangssprachlich als Spatz bekannt, mit landesweit 4,5 Vögeln pro Garten. Verglichen zum Vorjahr ist das allerdings ein Minus von sieben Prozent. Der Negativtrend schreitet seit Jahren voran und ist auch auf Bundesebene mit minus neun Prozent zu sehen. „Diese typische Stadtvogelart brütet immer weniger in den Ballungsräumen“, so Stefan Bosch. „Die schlechtesten Ergebnisse erzielten Heilbronn und Stuttgart. Inzwischen gibt es mehr Spatzen im Schwarzwald als in Großstädten. Die einzige positive Ausnahme und zugleich Spitzenreiter in Baden-Württemberg ist Freiburg mit sechs Spatzen pro Garten.“ Dem Haussperling fehlen, wie anderen Gebäudebrütern auch, Nistplätze und Insektennahrung zur Jungenaufzucht.
Buchfink häufiger – Grünfink auf niedrigem Niveau
Aufatmen bei der Zählung der Finken: Die Ergebnisse zeigen aktuell keinen Hinweis auf eine neue Infektionswelle durch Trichomonaden. Die häufigste Finkenart in Siedlungen in Baden-Württemberg ist der Buchfink mit 0,5 Vögeln je Garten, der vor allem im Alb-Donau-Kreis und dem Bodensee zugelegt hat. Bundesweit kann beim Buchfinken sogar ein sattes Plus von 14 Prozent bei den Sichtungen im Vergleich zum Vorjahr verbucht werden. Der Grünfink verharrt auf niedrigem Niveau, mit besten Werten im Landkreis Sigmaringen, Biberach, Enzkreis. Bundesweit hat sich die Zahl gemeldeter Grünfinken seit 2023 nahezu halbiert.
Aufwind für Alpensegler
Ein deutlicher Rückgang ist auch bei den Mauerseglern zu verzeichnen. Trotz perfektem Seglerwetter sind die Zahlen nach einem Plus im Vorjahr wieder zurückgegangen. Hochburgen sind Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe und Pforzheim. „Erfreulich ist hingegen die Zunahme bei seinem Verwandten, dem Alpensegler. Diese Art breitet sich nordwärts aus, hohe Zahlen erreicht Baden-Württemberg als einziges Bundesland mit Vorkommen in Südbaden, Karlsruhe und Stuttgart“, freut sich Bosch.
Insgesamt haben bundesweit fast 56.000 Menschen bei der diesjährigen Vogelzählung mitgemacht und aus mehr als 38.000 Gärten weit über eine Million Vögel gemeldet. Die „Stunde der Gartenvögel“ ist eine Mitmachaktion des NABU und seines bayerischen Partners LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). Die nächste Vogelzählung ist die „Stunde der Wintervögel vom 8. bis 10. Januar 2027.”
Hintergrund:
Weitere Infos: www.stundedergartenvoegel.de
Ergebnisse im Einzelnen: www.NABU.de/sdg-ergebnisse
Gebäudebrüter unterstützen: Jede Spende hilft: Gebäudebrüter schützen - NABU BW
29.04.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Stuttgart – Zum Tag des Wolfes (30. April) warnt der NABU Baden-Württemberg vor einer einseitigen Pro-Jagd-Debatte beim Wolf. „Schnellschüsse waren noch nie hilfreich und das Märchen vom bösen Wolf müsste doch längst ausgedient haben. In Wahrheit haben Wölfe als große Beutegreifer eine wichtige Rolle im Ökosystem Wald. Da Wölfe nicht zwischen Nutz- und Wildtieren unterscheiden können, bleibt der wolfssichere Herdenschutz das Mittel der Wahl“, sagt NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes.
Die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht auf Bundesebene und dessen Folgen für Baden-Württemberg gefährden aus Sicht des NABU die Erfolge der letzten 26 Jahre* beim Zusammenleben von Mensch, Weidetieren und Wolf: „Den Menschen werden einfache Lösungen vorgegaukelt, die eine Bejagung nicht bietet. Der Wolf ist zu Recht ein geschütztes Wildtier. Aufgabe der nächsten Landesregierung ist es, Weidetierhaltende weiterhin verlässlich zu unterstützen sowie kostenlos und individuell zu beraten. Die Politik darf sich nicht durch Pseudo-Lösungen aus der Verantwortung stehlen“, betont die Biologin. Eine Bejagung von Wölfen könne wirksamen Herdenschutz nicht ersetzen.
Rechtliche Unsicherheiten und falsche Anreize
Die Aufnahme des Wolfes ins Bundesjagdgesetz ist Anfang April erfolgt. NABU-Fachfrau Ickes warnt angesichts drohender Bejagung in mehreren Bundesländern vor einem Rückfall in einen noch schlechteren Erhaltungszustand des Wolfes und daraus folgend klaren Konflikten mit dem EU-Recht. Zwar wurde der Wolfsbestand bundesweit 2025 als „günstig“ gemeldet, doch die Datenbasis ist umstritten und selbst danach ist die Schwelle nur hauchdünn überschritten. Ein Puffer für Verluste durch Verkehr oder Krankheiten muss daher bei jeglichen Abschussplänen mit einberechnet werden. Auch das Ausweisen sogenannter „Weidezonen“ ist rechtlich umstritten. In diesen Zonen sollen Wölfe grundsätzlich nicht vorkommen, was in der Praxis jedoch schwer umsetzbar ist, da durchwandernde Wölfe kaum daran gehindert werden können.
„Aktuell leben nur sechs Wölfe im Land, darunter lediglich ein Weibchen. Für eine echte Population ist das viel zu wenig“, so Ickes. Baden-Württemberg ist für einen günstigen Erhaltungszustand daher auf die Zuwanderung von Wölfen angewiesen.
Herdenschutz wirkt, Bejagung nicht
Ein Blick auf die Entwicklung zeigt: Die Risszahlen in Deutschland sinken seit Jahren, obwohl es mehr Wölfe gibt. In Baden-Württemberg sind nur zwei Fälle bekannt, in denen ein Wolf den zumutbaren Herdenschutz überwunden hat. In allen anderen Rissfällen fehlte entweder der Herdenschutz komplett oder war unzureichend. „Herdenschutz wirkt. Dafür braucht es das Engagement vieler Weidetierhaltender, die dafür eine zuverlässige Förderung benötigen“, so Ickes.
Doch Zuständigkeitswechsel und politische Fokussierung lediglich auf die Jagd verunsichern Weidetierhaltende und gefährden bewährte Förder- und Beratungsstrukturen. „In Baden-Württemberg hat der Wechsel der Zuständigkeit vom Umwelt- an das Landwirtschaftsministerium dafür gesorgt, dass aktuelle Herdenschutzanträge auf Eis liegen. Auch die 100-Prozent-Förderung für Herdenschutzmaßnahmen wie Zäune ist nicht gesichert“, berichtet Ickes. Aktuell sieht es so aus, als ob weidetierhaltende Betriebe mit der neuen Zuständigkeit bei Agrarminister Peter Hauk deutlich schlechter dastehen als zuvor. Es bleibt abzuwarten, was die neue Landesregierung wirklich tut.
Deutschland verfügt über eines der besten Wolfsmonitorings Europas sowie praxiserprobte Konzepte im Umgang mit einzelnen „Problemwölfen“. „Dieses Wissen darf nicht in der Illusion geopfert werden, Jagd könne das Problem lösen“, betont die NABU-Expertin.
Neuer Faktencheck zu Wolf und Herdenschutz
Zum Tag des Wolfes veröffentlicht der NABU einen Faktencheck, in dem zehn hartnäckige Vorurteile und Missverständnisse thematisiert werden. Warum müssen Herdenschutzzäune nicht gebaut sein wie im Zoo? Und kann nicht jeder Wolf über diese niedrigen Zäune springen? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es unter: www.NABU.de/tdw2026
*Vor 26 Jahren wurden in der sächsischen Oberlausitz auf einem Truppenübungsplatz die ersten Wolfswelpen seit der Ausrottung des Wolfes in Deutschland im Jahr 1904 geboren.
Hintergrund:
• NABU BW zu Wölfen: www.NABU-BW.de/wolf
• forsa-Umfrage: Große Mehrheit heißt Wolf im Südwesten willkommen
21.04.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Stuttgart – In Baden-Württembergs Gärten hat die Brutzeit begonnen. Amseln, Meisen und Rotkehlchen bauen Nester, legen Eier und ziehen ihre Jungen groß. Anfangs singen die Männchen laut, sie markieren ihr Revier und werben um Partnerinnen. Doch sobald die Eier im Nest liegen, wird es stiller. In der Hauptbrutzeit zwischen April und Juni gilt: Rücksicht nehmen und die Tiere nicht stören. Mit Glück und Geduld lassen sich schon bald die ersten Vogeljungen auf Erkundungsflügen im Garten beobachten.
Vielfalt an Brutplätzen und Eiern
Nester und Eier der verschiedenen Vogelarten unterscheiden sich: Amseln flechten beispielsweise feste, halboffene Nester aus Gräsern und verbinden die Struktur mit feuchter Erde. Die Nester sitzen gut verborgen in Hecken oder Sträuchern und bieten Platz für die drei bis fünf grün-blauen Eier. Rotkehlchen hingegen bauen dicht am Boden. Ihre Nester finden sich unter Laubhaufen, Wurzeln oder in kleinen Hohlräumen. Die fünf bis sieben Eier sind weißlich bis cremefarben mit rötlich-braunen Sprenkeln.
Zu den Höhlenbrütern gehören Vögel, die nicht in offenen Nestern brüten, sondern sich geschützte Brutplätze wie Baumhöhlen oder Nistkästen suchen. Dazu zählt die Kohlmeise, die sechs bis zwölf weiße Eier mit feinen rötlichen Punkten legt. Ihr Nest besteht überwiegend aus Moos und ist zusätzlich mit Haaren, Wolle oder Federn weich und dicht ausgepolstert. Die etwas kleinere Blaumeise legt acht bis 15 Eier in ähnlich gebaute Nester. Haussperlinge sind beim Nestbau sehr pragmatisch – sie nutzen Nischen unterm Dach, Nistkästen und manchmal verlassene Mehlschwalbennester für die Familiengründung. Diese werden mit Halmen oder Federn gefüllt. Die vier bis sechs Eier sind weißlich bis graugrün sowie dicht gesprenkelt in grau, blau oder schwarz.
Gut gemeint, aber nicht ratsam
Um den Nestbau zu unterstützen, legen manche Vogelfans Haare oder Tierfell von Haustieren aus, die Vögel als weiches Polstermaterial nutzen. Doch das kann zum Problem werden: „Enthält das Fell von Hund und Katze Rückstände von Parasitenmitteln und Shampoos, können diese Stoffe ins Nest gelangen und dort Eier und Jungvögel schädigen“, erklärt NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Studien belegen, dass das am Tierfell haftende Biozid schädlich wirkt, wenn es zum Hautkontakt mit geschlüpften Vögeln kommt. In belasteten Nestern schlüpfen weniger Küken. Deshalb gilt: Tierhaare bitte stets über den Hausmüll entsorgen.
Ein weiteres Problem ist Plastikmüll: „Immer wieder finden wir Meisennester, die überwiegend aus den Plastikborsten verrottender Besen bestehen, oder Nestbauten, in die Bänder, Schnüre, Seile und Folien eingearbeitet sind. Daran können sich Jungvögel mitunter tödlich verletzen“, warnt Bosch. Plastikteile sollte man immer einsammeln und draußen besser Besen aus Naturmaterial nutzen.
Garten als Rückzugsort
„Die größte Bedrohung unserer Vogelwelt ist der Verlust an Lebensraum“, weiß NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes. „Eine vielfältige Natur ist der beste Platz für Tiere. Sie kann auch im eigenen Garten entstehen. Bitte unterstützen Sie unsere Vögel, damit sie überall in Baden-Württemberg auf Wiesen, in Wäldern und in unseren Gärten satt werden und sichere Brutplätze finden“, so Ickes.
Tipps und Tricks: So helfen Sie Vögeln im Garten
1. Nistkästen aufhängen
Helfen Sie mit, geeignete Brutplätze zu schaffen. Hängen Sie beispielsweise Nistkästen in zwei bis drei Metern Höhe auf, am besten aus Holz oder Holzbeton und an einem wettergeschützten, ruhigen Standort. Wählen Sie die Größe passend zur Art – kleine Kästen für Meisen, größere für Stare.
2. Heimische Bäume und Sträucher pflanzen
Bäume und Sträucher bieten nicht nur Versteckmöglichkeiten vor Fressfeinden, sondern auch ideale Nistplätze. Achten Sie darauf, heimische Pflanzen zu wählen, die den Vögeln zusätzlich Nahrung in Form von Beeren oder Insekten bieten, wie Schlehe und Liguster.
3. Aufs richtige Futter achten
Ein vielfältiger, insektenfreundlicher Garten mit Wildblumen und Beerensträuchern bietet Insekten Nahrung und schafft gleichzeitig eine wichtige Nahrungsgrundlage für Vögel. Im Frühling und Sommer können Sie auf ein solches natürliches Futterangebot setzen.
Verzichten Sie in dieser Zeit insbesondere auf fetthaltiges Futter wie Meisenknödel sowie ganze Sonnenblumen- oder Erdnusskerne, da sie für Jungvögel schwer verdaulich sind und sie daran ersticken können. Körner sollten – wenn überhaupt – nur in Gitternetzsilos angeboten werden, aus denen Vögel kleine Stückchen entnehmen können.
4. Auf Pestizide verzichten
Gift hat im Garten nichts zu suchen. Pestizide treffen immer auch die Nahrung der Vögel. Weniger Chemie heißt mehr Insekten und bessere Chancen für den Vogelnachwuchs.
5. Ruhezone im Garten schaffen
Vögel benötigen Ruhe, besonders während der Brutzeit. Vermeiden Sie laute Geräusche und Störungen in den Bereichen, in denen Vögel brüten. Ein ruhiger Ort bietet den Vögeln die nötige Sicherheit, um ihre Jungen aufzuziehen.
Weitere Infos:
• Stunde der Gartenvögel - NABU
Vom 8. bis 10. Mai findet zum 22. Mal die bundesweite „Stunde der Gartenvögel“ des NABU und seines bayerischer Partners Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) statt. Im Fokus der Mitmach-Aktion stehen häufige Arten wie Meisen, Finken, Amseln, Sperlinge und Rotkehlchen, die eine Stunde lang gezählt werden.
• Ganzjahresfütterung – ja oder nein?
02.04.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg zum Tag des Bibers (7.4.)
Stuttgart – Man könnte es als verspäteten Aprilscherz verstehen, es ist aber durchaus ernst gemeint: Zum Welttag des Bibers am 7. April kürt der NABU Baden-Württemberg den Biber zum Mitarbeiter des Jahrhunderts. Anlass ist eine neue Untersuchung, die zeigt: Der Biber (Castor fiber) vollzieht, insbesondere an kleinen Fließgewässern, zentrale Aufgaben der Gewässerrevitalisierung schneller, günstiger und unbürokratischer als jede technische Maßnahme – wenn man ihn machen lässt.
Der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle weiß um die Qualitäten des größten Nagetieres Europas: „Biber sind wahre Landschaftsarchitekten. Wo sie am Werk sind, steigt der Artenreichtum enorm. Das zeigen wissenschaftliche Studien aus der ganzen Welt. Sehr viele Tier- und Pflanzenarten profitieren von Biberlandschaften, darunter Libellen, Vögel, Fische, Fledermäuse, Amphibien, kleine Wasserlebewesen und nicht zuletzt wir Menschen. Biber stabilisieren den Wasserhaushalt in der Landschaft, dämpfen Hochwasserspitzen, halten Nährstoffe wie Nitrat zurück und verbessern die Wasserqualität der Fließgewässer. Der Biber ist sogar ein Verbündeter im Klimaschutz, seine Auen wirken als natürliche CO2-Senken.“
Dank Biber schneller und günstiger renaturieren
Am Beispiel eines 1,2 Kilometer langen Gewässerabschnitts des Bampfen bei Baindt im Landkreis Ravensburg zeigt die vom NABU in Auftrag gegebene Kosten-Nutzen-Analyse, dass die vielfältigen Biberleistungen für Natur und Mensch nur mit erheblichem Aufwand zu ersetzen wären. Hier haben Biber aus einer unattraktiven Gewässerrinne durch das Bauen von Dämmen eine strukturreiche Auenlandschaft erschaffen. Das Beispiel Bampfen zeigt für den Autor der Analyse, Landschaftsarchitekt Michael Bolender: „Der Biber hat hier mosaikartige Lebensraumstrukturen und andere Ökosystemdienstleistungen geschaffen, wie wir Menschen sie, unabhängig von den hohen Kosten, in einer derartigen Geschwindigkeit nicht herstellen könnten.“
Planung, Genehmigungen und Bau vergleichbarer Maßnahmen würden über 100.000 Euro kosten und viele Jahre in Anspruch nehmen, zuzüglich jährlicher Instandhaltungskosten von rund 5.600 € im Fall Bampfen. „Bezogen auf die rund 36.000 Kilometer Fließgewässer zweiter Ordnung im Zuständigkeitsbereich der baden-württembergischen Kommunen ergeben sich durch den Biber hochgerechnet Kostenvorteile in Milliardenhöhe.“ Für das Bibermanagement würde hier jährlich mit 3.700 Euro nur ein Bruchteil anfallen.
NABU fordert Perspektivwechsel zugunsten des Bibers
Angesichts der dringenden Notwendigkeit, bei Klimaschutz und Klimawandelanpassung sowie beim Erhalt der Artenvielfalt schneller voranzukommen, fordert Enssle einen Perspektivwechsel: „Der Biber arbeitet ohne Antrag, Ausschreibung oder Rechnung. Gerade in Zeiten knapper Kassen und wachsender Klimarisiken sollten wir diese Leistung anerkennen und viel stärker für uns nutzen. Während alle von Bürokratieabbau und Planungsbeschleunigung reden, setzt der Biber einfach um.“ Der NABU ist überzeugt: Ohne Biber wird die Wiederherstellung der Flusslandschaften in so kurzer Zeit nicht gelingen. „Bürokratie abbauen, Planung beschleunigen, Geld sparen und dabei noch die Natur schützen – der Biber zeigt, wie’s geht. Ein Biberdamm ist in einer Nacht gebaut, Renaturierungsprojekte dauern meist Jahre. Müssten wir Menschen alles selbst planen und umsetzen, was der Biber macht, würde es wohl ein Jahrhundert dauern und einige Milliarden Euro kosten. Daher können wir es uns schlicht nicht leisten, auf die Leistungen des Bibers zu verzichten. Natur schützen, Klimafolgen abmildern und gleichzeitig öffentliche Mittel effizient einsetzen – das gelingt mit dem Biber“, findet Enssle und schlussfolgert: „Er ist damit ein entscheidender Verbündeter, um die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen und unsere Fließgewässer wieder in einen ‚guten ökologischen Zustand‘ zu bringen – wie es die EU-Wasserrahmenrichtlinie bis 2027 vorsieht.“
Konflikte konstruktiv lösen
Durch den Bau von Biberdämmen kann es auch zu Konflikten kommen, beispielsweise wenn landwirtschaftliche Nutzflächen überflutet oder Straßen- und Bahndämme untergraben werden. Diese lassen sich jedoch viel nachhaltiger durch gezieltes Management lösen als durch pauschale Abschüsse, betont NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes: „Statt Schnellschüssen, wie der neuen Biberverordnung, braucht es mehr Flächen für Gewässerentwicklung und das gezielte Bibermanagement, das sich bewährt hat.“ Wo es ernsthafte Probleme gebe, würden bereits heute Biberdämme reguliert und wichtige Infrastrukturen geschützt, wie Gleise, Straßen und Bauten, etwa durch Gittermatten, oder wertvolle Bäume durch Drahthosen. „Abschüsse bringen nichts. Die Reviere werden schnell durch neue Biber besetzt. Sowohl die Kosten-Nutzen-Analyse als auch weitere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die durch den Biber verursachten Kosten deutlich niedriger sind als sein Nutzen für uns Menschen.“
Aus Sicht des NABU braucht die neue Landesregierung beim Biber daher einen anderen Blick – weg vom Biber als sogenanntes Problemtier, hin zum wichtigen Partner für Naturschutz, Klimaanpassung und ökologische Gewässerentwicklung. Dass diese Forderungen auch einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung haben, zeigt die große Unterstützung der Landtagspetition von NABU und BUND zum Schutz des Bibers: Binnen sechs Wochen zeichneten mehr als 14.300 Menschen die „Biber-Petition“ mit – die höchste Beteiligung, seit es möglich ist Landtagspetitionen online mitzuzeichnen.
Hintergrund:
Link zur Kosten-Nutzen-Analyse Biber und zu einer Zusammenfassung
• Kosten-Nutzen-Analyse: Erstellt vom Landschaftsplanungsbüro Bolender im Auftrag des NABU Baden-Württemberg. Vergleich zweier Szenarien: Leistungen des Bibers bei der Neugestaltung eines Abschnitts des Flusses Bampfen (Szenario A) im Vergleich zur technischen Erstellung (Szenario B).
• Kostenersparnis: Während im Szenario B bereits für Vermessung, Baustelleneinrichtung, Erd-/Wasserbau, Dammbauwerke, Strukturierung und Pflege erhebliche Einmal- und Folgekosten bilanziert werden (rund 109.000 Euro einmalig, 5.600 Euro jährlich), sind im Szenario A große Teile dieser Leistungen durch Biberaktivität abgedeckt. Für Bibermanagement, Konfliktprävention, punktuelle Sicherungsmaßnahmen sowie Monitoring werden 3.700 Euro jährlich veranschlagt. Ein Nutzungsausfall wird aufgrund der breiten Gewässerrandstreifen nicht berechnet.
• Qualitäts- und Zeitvorteil: Durch Biberaktivitäten entstehen Habitatstrukturen und Retentionsräume häufig in kurzer Zeit standortangepasst. Eine technische Gewässerrevitalisierung hat einen langen Planungs- und Genehmigungsvorlauf von etwa fünf Jahren.
Hintergrundinfos zum Biber
24.03.2026
Gemeinsame Pressemitteilung von BUND und NABU Baden-Württemberg
· Petition zum Biber erreicht höchste Beteiligung auf Plattform des Landtags
· 14.348 Stimmen unterstützen Forderungen von BUND und NABU
· Klares Zeichen für Koalitionsverhandlungen der neuen Landesregierung
Stuttgart – Die Landtagspetition von BUND und NABU Baden-Württemberg zum Schutz des Bibers und gegen das leichtere Töten der Tiere ist mit einem großen Erfolg zu Ende gegangen. In sechs Wochen zeichneten 14.348 Menschen die Petition mit. Das ist die höchste Beteiligung, die jemals auf dem neuen Online-Portal des Landtags von Baden-Württemberg erzielt wurde.
Sylvia Pilarsky-Grosch, BUND-Landesvorsitzende: „Diese große Unterstützung sehen wir als klaren Auftrag an die Politik zu handeln. Statt auf den Abschuss von Tieren als vermeintlich schnelle Lösung für Konflikte sollte sie auf langfristig wirksame Maßnahmen im Umgang mit Bibern setzen. Dazu gehört unter anderem, naturnahe Gewässer und Auenlandschaften zu stärken und ihnen mehr Raum zu geben. Denn Konflikte mit Bibern finden meist in unmittelbarer Nähe von Gewässern statt. Wenn der gesetzlich vorgeschriebene Abstand von zehn Metern an deren Rändern bei jeder Nutzung konsequent eingehalten wird, lassen sich viele Konflikte vermeiden.“
Johannes Enssle, NABU-Landesvorsitzender: „Der Biber ist Teil unserer Natur und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Gewässerökologie. Statt Schnellschüssen muss die Landesregierung das etablierte Bibermanagement stärken. Das Zusammenspiel von hauptamtlichen Biber-Beauftragten bei den Regierungspräsidien und engagierten ehrenamtlichen Biber-Beratenden in der Fläche hat sich bewährt. Konflikte vor Ort lassen sich damit durch Instrumente wie den Schutz von Bäumen mit Drahthosen, den Einsatz von Elektrozäunen auf Äckern, den Einbau von Gittermatten als Untergrabungsschutz oder die Drainage von Biberdämmen zur Regulierung des Wasserspiegels effektiv lösen.“
Wie geht es weiter?
Nachdem die Petition das nötige Quorum von 10.000 Stimmen deutlich übertroffen hat, muss sich der Petitionsausschuss des Landtags mit dem Thema befassen. Durch die Landtagswahl wird das voraussichtlich noch etwas dauern. Laut vorläufigem Plan sind die konstituierenden Sitzungen der Ausschüsse für Ende Juni geplant. BUND und NABU appellieren an die künftige Landesregierung, das Thema dennoch nicht auf die lange Bank zu schieben. „Mehr als 14.300 Menschen haben mit ihrer Unterschrift ein starkes Zeichen für den Schutz des Bibers im Land gesetzt. Wenn die Landesregierung solche Möglichkeiten zur Beteiligung schafft, muss sie deren Ergebnisse auch ernst nehmen und in ihrer Politik berücksichtigen. Mit der Rücknahme der neuen Biberverordnung, einer Stärkung des funktionierenden Biber-Managements im Land und einem wissenschaftlich fundierten Umgang bei Konflikten mit Wildtieren wie Biber und Wolf sollte die Landesregierung jetzt ein ebenso klares Signal setzen, dass die Menschen im Land Gehör finden“, betonen die beiden Landesvorsitzenden.
Hintergrund:
Trotz massiver Kritik von Seiten des Natur- und Artenschutzes hat die Landesregierung die „Verordnung zum Schutz vor Beeinträchtigungen durch den Biber“ (BiberVO) am 20. Januar veröffentlicht. Sie ermöglicht bei Konflikten mit Infrastruktur sowie land- und forstwirtschaftlicher Nutzung unter anderem Maßnahmen bis hin zum Töten von Bibern mit Hilfe einer Allgemeinverfügung für ganze Regionen und Kreise. Bislang war das nur mit einzelnen Ausnahmegenehmigungen möglich. Denn die Art ist durch das Bundesnaturschutzgesetz und die europäische Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie streng geschützt. BUND und NABU haben deshalb am 6. Februar die Online-Petition „Stoppt das geplante Biber-Töten!“ beim Landtag gestartet. Innerhalb von sechs Wochen haben 14.348 Menschen die Petition mitgezeichnet und fordern damit von der Landesregierung, die BiberVO zurückzuziehen. Sie erreichte die bisher höchste Beteiligung seit dem Start der Plattform des Landtags im Juli 2025.
Mehr Informationen:
· Direkt zur Petition beim Landtag: www.bund-bawue.de/biberpetition
· Hintergründe und FAQ zur Biber-Petition
23.03.2026
Gemeinsame Pressemitteilung von NABU und BUND in Baden-Württemberg
Stuttgart – Die Menschen im Land haben eindeutige Erwartungen an die kommende Landesregierung, wenn es um Investitionen in den Natur- und Klimaschutz geht. Aktuelle Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag von NABU und BUND zeigen den klaren Wunsch der Bevölkerung nach konstanten beziehungsweise sogar höheren Investitionen in diesen zentralen Zukunftsfeldern.
Naturschutz: Mehrheit fordert konstante Investitionen – ein Drittel sogar eine Steigerung
Die Mehrheit der Menschen im Land (53 Prozent) plädiert dafür, dass die Höhe der Investitionen im Naturschutz gleichbleibt. Etwa 30 Prozent der Befragten sind sogar der Ansicht, dass die nächste Landesregierung mehr in den Naturschutz investieren sollte als bisher. Sie sprechen sich damit klar für einen weiteren Mittelaufwuchs beim Natur- und Artenschutz aus, so wie es von den Grünen in Baden-Württemberg vor der Wahl versprochen wurde. Weniger Investitionen in diesem Bereich halten nur 15 Prozent der Befragten für richtig. „Die forsa-Zahlen zeigen deutlich: Naturschutz ist den Menschen im Land trotz wirtschaftlicher Sorgen ein zentrales Anliegen. Eine klare, parteiübergreifende Mehrheit wünscht sich eine solide, konstante Finanzierung des Naturschutzes. Die nächste Landesregierung darf daher nicht auf Kosten der Natur sparen“, betont der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. „Daraus ergibt sich ein eindeutiger Arbeitsauftrag für die Sondierungsgespräche, den versprochenen Mittelaufwuchs im Naturschutz umzusetzen.“
Klimaschutz: Mehr als 70 Prozent für höhere oder gleichbleibende Mittel
Beim Wunsch nach Klimaschutz-Investitionen gibt es eine ähnliche Tendenz: Rund 35 Prozent der Befragten sprechen sich für höhere Investitionen in den Klimaschutz aus. 36 Prozent plädieren für eine gleichbleibende Höhe der Investitionen. Ein knappes Drittel (27 Prozent) ist der Meinung, dass weniger in den Klimaschutz investiert werden sollte. „Die Bereitschaft der Bevölkerung, mehr in den Klimaschutz zu investieren, ist weiterhin groß. Auch unter den Anhänger*innen von Grünen und CDU spricht sich eine Mehrheit dafür aus, dass die Landesregierung für das Wohl kommender Generationen gleich viel oder mehr investiert“, sagt die BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch. „Diese Ergebnisse sollten die Verhandelnden in den Sondierungen berücksichtigen und keine Rückschritte bei den ehrgeizigen Klimazielen des Landes zulassen. Eine klare und entschlossene Klimapolitik, die den Klimaschutz als kommunale Pflichtaufgabe festschreibt und den Empfehlungen des Klimasachverständigenrates folgt, ist unverzichtbar, um in unserem Land weiter gut leben zu können.“
Aktuelle forsa-Ergebnisse belegen außerdem:
• Für die Mehrheit (56 Prozent) der Baden-Württemberger*innen haben die Themen Natur- und Umweltschutz eine große bis sehr große Rolle für ihre Wahlentscheidung gespielt.
• Einschränkungen beim Umwelt- und Naturschutz zugunsten des Wirtschaftswachstums lehnt eine große Mehrheit (64 Prozent) ab.
Infos zur Umfrage:
• Datenbasis: 1.010 Befragte ab 18 Jahren in Baden-Württemberg
• Erhebungszeitraum: 15.1. bis 5.2.2026
• Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag von NABU und BUND BW
• statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte
Ergebnisse im Detail:
• Bedeutung von Natur- und Umweltschutz: Forsa-Umfrage Landtagswahl - NABU Baden-Württemberg
• Rückkehr von Wolf und Biber: www.NABU-BW.de/news/2026/februar/36990.html
• Investitionen in Natur- und Klimaschutz: www.NABU-BW.de/news/2026/maerz/37046.html
Infos von NABU und BUND zur Landtagswahl 2026:
04.03.2026
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Berlin / Stuttgart – Aktuell machen knapp 89.000 Bürgerinnen und Bürger aus ganz Deutschland in einer Online-Petition des NABU gegen die geplante Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz mobil. Sie fordern Bundesregierung und Bundestag vor der abschließenden Lesung in der morgigen Sitzung (5. März) auf, die Novelle des Bundesjagdgesetzes zu stoppen und stattdessen wirksamen Herdenschutz konsequent auszubauen und vollständig zu finanzieren.
Die Bundesregierung will den Wolf künftig regulär bejagen lassen – teils auch ohne konkreten Anlass. Die geplante Jagdzeit im Sommer würde vor allem die Welpen betreffen. „Was als Schutz für Weidetiere verkauft wird, ist eine gefährliche Fehlentscheidung. Sie führt uns in eine Sackgasse“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. „Weniger Wölfe führen nicht automatisch zu weniger Nutztierrissen. Denn gestörte Rudelstrukturen durch Abschüsse können sogar zu mehr Rissen führen.“
NABU: Herdenschutz wirkt nachweislich
Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen, dass die Wolfsrisse 2024 bundesweit um rund 25 Prozent zurückgegangen sind – obwohl es mehr Wölfe gab als zuvor. Grund dafür ist ein verbesserter Herdenschutz durch Elektrozäune, Herdenschutzhunde und fachliche Beratung von Weidetierhaltenden. Somit lenke die Debatte über die Jagd von wirksamen Lösungen ab und wecke falsche Erwartungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen: Konflikte können langfristig nur entschärft werden durch konsequente Prävention, wissenschaftsbasiertes Management und eine ehrliche Abwägung gesellschaftlicher Interessen. Dazu passend haben vor einem Monat 20 Expert*innen in einem offenen Brief klargestellt: Gefährdete Arten gehören nicht ins Jagdgesetz.
Mehrheit in Baden-Württemberg unterstützt Wolf
„Wir brauchen tragfähige Lösungen statt Symbolpolitik“, erklärt auch NABU-Wolfsexpertin Katharina Weinberg, Initiatorin der Petition. „Eine pauschale Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht gefährdet den Artenschutz nicht nur von Wölfen, schafft neue rechtliche Unsicherheiten und hilft Weidetierhaltenden nicht weiter.“ Zudem seien gezielte Entnahmen einzelner auffälliger Tiere bereits nach bestehendem Naturschutzrecht möglich, wie die aktuelle Diskussion um den Hornisgrinden-Wolf im Schwarzwald zeige. Eine generelle Jagdfreigabe sei daher unnötig und führe in die falsche Richtung.
Enssle ergänzt: „Der Wolf ist Teil unserer heimischen Natur. Sein Schutz und seine Rückkehr nach Baden-Württemberg sind ein Erfolg und wird von großen Teilen der Bevölkerung im Land befürwortet. Das belegt die große Zahl der Unterstützer*innen der Wolfs-Petition, aber auch eine aktuelle repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der Naturschutzverbände NABU und BUND in Baden-Württemberg: 71 Prozent der befragten Menschen begrüßen die Rückkehr des Wolfes.
Einer Novelle des Bundesjagdgesetzes muss der Bundesrat zustimmen. Der NABU Baden-Württemberg fordert die grün-schwarze Landesregierung auf, das klare Signal aus der Bevölkerung aufzunehmen und sich im Bundesrat gegen die geplante Gesetzesnovelle zu positionieren. Zudem sei die Landesregierung gefordert, die rechtswidrige Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht von Baden-Württemberg an Heiligabend durch Minister Peter Hauk zurückzunehmen.
Die bundesweite Wolfs-Petition finden Sie hier: https://weact.campact.de/p/keinWolfImJagdrecht
Weitere Infos: Wölfe - NABU Baden-Württemberg
26.02.2026
Gemeinsame Pressemitteilung von NABU und BUND in Baden-Württemberg
Stuttgart – Eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag von NABU und BUND zeigt: Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung in Baden-Württemberg befürworten die Rückkehr von Wolf (71 Prozent) und Biber (76 Prozent). Die Ergebnisse widersprechen der politischen Annahme, wonach große Teile der Gesellschaft den geschützten Arten ablehnend gegenüberstünden.
Gesellschaftliche Rückendeckung für Artenschutz
„Die Rückkehr von Biber und Wolf, einst bei uns ausgerottete Tiere, ist ein großer Erfolg für den Artenschutz. Mehr als zwei Drittel der Menschen im Land freuen sich darüber – und sind damit deutlich weiter als Teile der Politik“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. „Die große Mehrheit weiß offensichtlich, dass Wolf und Biber zu unseren Ökosystemen gehören und dort wichtige Funktionen erfüllen. Erfreulich ist auch, dass die Menschen sowohl im ländlichen Raum wie auch in den Großstädten die Rückkehr der beiden Tierarten mehrheitlich befürworten, und das über alle großen Parteien hinweg. Diese breite parteiübergreifende Zustimmung dürfte auch den einen oder anderen Parteifunktionär überraschen. Die Landesregierung steht in der Pflicht, den Mehrheitswillen ernst zu nehmen. Eigentlich sollte sie wissen, dass nicht immer diejenigen recht haben, die am lautesten schreien. Naturschutz funktioniert mit gesellschaftlicher Rückendeckung. Diese Rückendeckung gibt es für Wolf und Biber. Jetzt muss die Politik liefern.“
Verlässliche Strategie statt Symbolpolitik
Die hohen Zustimmungswerte zur Rückkehr von Wolf und Biber sehen die Verbände als klaren Handlungsauftrag an die Politik. „Populistische Forderungen und fragwürdige Maßnahmen, wie die rechtswidrige Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht durch Minister Peter Hauk oder die neue Landesverordnung zum erleichterten Abschuss von Bibern, stehen dazu im klaren Widerspruch. Statt Wahlkampf mit kurzfristigen Scheinlösungen auf dem Rücken geschützter Tierarten zu betreiben, sollte die Landesregierung auf die langfristigen Erfolge im bisherigen Wolfs- und Bibermanagement bauen“, betont die BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch. Dazu gehörten sachliche Information statt Angstrhetorik, konsequenter Herdenschutz und die personelle und finanzielle Stärkung des etablierten Managements beider Tierarten. „Das Ergebnis der Umfrage werten wir als Wunsch der Menschen an die Politik, die Tiere nicht nur als Probleme zu behandeln – spätestens im Rahmen von Koalitionsverhandlungen nach dem 8. März.“
Landtags-Petition für den Biber auf der Zielgeraden
Die Menschen im Land wollen eine Politik, die ihre Lebensgrundlagen und die Artenvielfalt schützt. Das zeigt auch die breite Unterstützung der Landtags-Petition „Stoppt das geplante Biber-Töten!“ gegen den erleichterten Abschuss von Bibern im Südwesten: Innerhalb von knapp drei Wochen haben schon fast 9.000 Menschen die Petition mitgezeichnet – 10.000 Unterschriften sind für einen Erfolg der Petition nötig (www.bund-bawue.de/biberpetition).
Aktuelle forsa-Ergebnisse vor der Landtagswahl belegen außerdem:
• Für die Mehrheit (56 Prozent) der Baden-Württemberger*innen spielen die Themen Natur- und Umweltschutz eine große bis sehr große Rolle für ihre Wahlentscheidung.
• Einschränkungen beim Umwelt- und Naturschutz zugunsten des Wirtschaftswachstums lehnt eine große Mehrheit (64 Prozent) ab.
Infos zur Umfrage:
• Datenbasis: 1.010 Befragte ab 18 Jahren in Baden-Württemberg
• Erhebungszeitraum: 15.1. bis 5.2.2026
• Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag von NABU und BUND BW
• statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte
Ergebnisse im Detail:
• Bedeutung von Natur- und Umweltschutz: Forsa-Umfrage Landtagswahl - NABU Baden-Württemberg
• Wolf und Biber: www.NABU-BW.de/news/2026/februar/36990.html
Infos zur Landtagswahl – die Parteien im Wahl-Check sowie zehn Kernforderungen von NABU und BUND:
Biber & Wolf in Baden-Württemberg:
• Wölfe - NABU Baden-Württemberg
• BUND zum Wolf in Baden-Württemberg
17.02.2026
Zumeldung des NABU Baden-Württemberg zur aktuellen Stellungnahme des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU): „Infrastrukturausbau nicht auf Kosten von Natur und Umwelt beschleunigen“
Stuttgart – Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat heute klar Stellung bezogen: Die von der Bundesregierung vorgelegten Initiativen zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren im Infrastrukturbereich gefährden zentrale Umwelt-, Natur- und Rechtsstandards. Anstatt die Transformation unserer Infrastruktur verantwortungsvoll zu gestalten, droht ein massiver Rückbau von Schutzrechten zu Lasten von Klima, Biodiversität und demokratischer Teilhabe.
„Die geplanten Beschleunigungsmaßnahmen sind ein Angriff auf Umwelt- und Naturschutz“, sagt Johannes Enssle, Landesvorsitzender des NABU Baden-Württemberg. „Wenn Infrastruktur- und Genehmigungsverfahren vor allem durch den Abbau von Beteiligungs- und Kontrollrechten beschleunigt werden sollen, gehen sowohl Naturflächen verloren als auch das Vertrauen der Menschen in einen sachgerechten und demokratischen Planungsprozess.“ Der SRU weise zutreffend darauf hin, dass eine Reihe geplanter Änderungen nicht zu praxisnaher Beschleunigung führen, sondern vielmehr Umweltstandards absenken und Rechtsunsicherheit schaffen.
Der NABU Baden-Württemberg kritisiert die Bundesregierung scharf: Statt die wahren Ursachen für Verzögerungen in Planungs- und Genehmigungsverfahren anzugehen, etwa Personal- und Ressourcenmangel in Behörden und fehlende Digitalisierung, setze sie auf vereinfachte Abkürzungen zu Lasten von Umwelt und Rechtsschutz. „Beschleunigung darf nicht zum Vorwand werden, um Rechtsschutz und Umweltstandards zu demontieren“, betont Enssle. „Es gilt die Verfahren zu verbessern, nicht den Schutz von Natur und demokratische Teilhabe zu opfern.“
Der NABU appelliert eindringlich an die Landesregierung von Baden-Württemberg:
„Im Bundesrat darf das Land den Vorschlägen der Bundesregierung nicht blind folgen, sondern muss politische Verantwortung zeigen und klar die tatsächlichen Planungshemmnisse adressieren.“ Dazu gehören:
• Stärkung der personellen und digitalen Kapazitäten bei Genehmigungsbehörden,
• Frühzeitige Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden und betroffenen Gemeinden,
• Erhalt und Weiterentwicklung von Umwelt-, Klima- und Naturschutzstandards, statt pauschaler Ausnahmen und Abschwächungen.
„Der NABU steht für konstruktive Lösungen bereit, die Planungs- und Genehmigungsverfahren ohne Abstriche beim Schutz unserer Lebensgrundlagen beschleunigen“, so Enssle. „Niemand bestreitet, dass es Reformbedarf gibt – das Problem heißt aber nicht Naturschutz, sondern schlecht organisierte Verfahren.“
21.01.2026
Pressemitteilung von NABU und NAJU in Baden-Württemberg
Stuttgart – Der NABU und sein Jugendverband, die Naturschutzjugend NAJU, nehmen den Tag der Umweltbildung (26.1.) zum Anlass, um auf die zentrale Bedeutung von Wissen und Bildung für Gesellschaft und Natur aufmerksam zu machen. „Umweltbildung schafft Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge, stärkt die Handlungskompetenz und fördert den Naturbezug – drei zentrale Grundlagen, um Klima und Biodiversität wirksam zu schützen. Naturzusammenhänge zu verstehen, beginnt bei den Kleinsten und geht ein Leben lang weiter“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle.
NABU und NAJU unterstützen ihre Mitglieder jeden Alters mit praktischen Seminaren und Exkursionen, digitalen Kursen und Online-Plattformen sowie Citizen Science-Aktionen zu einer Vielfalt an Themen. Weil gemeinsames Lernen mehr Spaß macht, stehen die Begegnung mit der Natur und anderen Menschen gleichermaßen im Fokus.
Mit der NAJU in die Natur
Das neue NAJU-Veranstaltungsprogramm 2026 bündelt Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Baden-Württemberg. Es bietet zudem naturpädagogische Fortbildungen für Erwachsene, die mit jungen Menschen in der Natur arbeiten. „Vom Blick durchs Fernglas bis zum Lagerfeuer am Fluss: Das NAJU-Programm 2026 verbindet Naturerlebnis, neue Freundschaften und Engagement für den Naturschutz“, sagt NAJU-Verbandskoordinator Jonathan Catrein.
Bei den Kinder- und Jugendfreizeiten steht das gemeinsame Entdecken der Natur im Mittelpunkt. „Wir wollen eindrucksvolle Erfahrungen bieten, Wissen vermitteln und das Verantwortungsgefühl gegenüber der Umwelt stärken“, so Catrein. Die Fortbildungsseminare geben allen Interessierten zudem praxisnahe Werkzeuge an die Hand, um Naturerlebnisse kompetent anzuleiten – unabhängig von einer Mitgliedschaft. Für junge Erwachsene steigt vom 3. bis 7. Juni wieder das NAJU-Jugend-Umwelt-Festival „Aufstand“. Geboten werden Workshops, Vorträge, Lagerfeuer und Musik. Weitere NAJU-Highlights sind das FledermausCamp im Mai und das BirdersShip Anfang Oktober.
Jetzt bewerben für FÖJ und BFD
Bereits gestartet ist die Bewerbungszeit für ein freiwilliges Jahr bei NABU oder NAJU. Insgesamt werden landesweit jährlich rund 20 Stellen neu besetzt. Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) beginnt am 1. September, ein Bundesfreiwilligendienst (BFD) kann kürzer sein und der Einstieg ist auch später möglich. Beide Programme bieten einen intensiven Einblick in die Naturschutzarbeit – vom praktischen Einsatz im Gelände bis zur Umweltbildung. „Ein Freiwilligendienst schafft Erfahrungsräume, stärkt Verantwortung und verbindet Menschen langfristig mit dem Naturschutz“, fasst Catrein zusammen. Die Einsatzorte sind landesweit verteilt, Schwerpunkte bilden die NABU-Zentren am Federsee und Bodensee.
Hintergrundinfos:
Der Welttag der Umweltbildung am 26. Januar gründet sich auf die erste Stockholmer Umweltkonferenz der Vereinten Nationen im Jahr 1972. Er macht auf die Bedeutung der Umweltbildung für eine nachhaltige Zukunft aufmerksam.
Die NAJU (Naturschutzjugend im NABU) in Baden-Württemberg zählt rund 20.000 Mitglieder im Alter von sechs bis 27 Jahren, von denen sich rund 1.000 aktiv für den Schutz von Natur und Umwelt einsetzen. In den rund 80 landesweiten NAJU-Gruppen steht der Spaß am praktischen Naturschutz im Mittelpunkt. Auf Landesebene organisiert die NAJU Freizeiten, Kurse, Seminare und Mitmachprojekte, darunter das Jugend-Umwelt-Festival „Aufstand“. Weitere Infos: www.NAJU-BW.de
Wo gibt es Stellen?
Weitere Informationen:
• Übersicht zu aktuellen Stellen bei NAJU und NABU mit Links zu den jeweiligen Arbeitsstellen
• Umweltbildungsangebote des NABU
• Ehrenamtlich aktiv werden beim NABU BW
• Termine und Führungen sowie Fortbildungen des NABU
29.12.2025
Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg
Berlin/Stuttgart – Der NABU zeichnet in diesem Jahr die Verweigerungshaltung der Unions-Landesagrarminister bei der Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme mit dem „Dinosaurier des Jahres 2025“ aus. Der Negativpreis geht stellvertretend an Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk als derzeitigen Vorsitzenden der Agrarministerkonferenz (AMK). Hintergrund ist unter anderem ein gemeinsamer Brief aller Landesagrarminister von CDU und CSU an die EU-Kommission im Juni. Darin fordern sie, die EU-Wiederherstellungsverordnung (WVO) aufzuheben – jenes Gesetz, mit dem der Zustand der Natur EU-weit verbessert werden soll. Der NABU kritisiert die Verbreitung irreführender Behauptungen und die politische Verweigerungshaltung der Unions-Landesagrarminister. Diese verhindere Lösungen, die gerade die Land- und Forstwirtschaft dringend benötigten.
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Die Wiederherstellung zerstörter Natur ist eine Investition in unsere Zukunft. Nur dort wo Natur funktioniert, sorgt sie für fruchtbare Böden, die widerstandsfähig gegenüber Dürre und Starkregen sind, für gesunde Wälder mit stabilen Wasserhaushalten, für intakte Flüsse mit lebendigen Auen sowie für Moore, die enorme Mengen CO₂ speichern. Das schafft Lebensqualität, schützt Infrastruktur und sichert langfristig unsere Wirtschaftsgrundlage. Statt diese Chance zu nutzen und mit allen Beteiligten tragfähige Lösungen zu entwickeln, sorgen die Minister mit ihrem Brief für Verunsicherung in Verwaltung, Landwirtschaft und Naturschutz. Die Auszeichnung soll ein klares Signal senden, den Fokus wieder auf Zusammenarbeit und verantwortungsvolles Handeln zu legen.”
Der NABU erinnert die Minister daran, dass ihre Parteikollegin – EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen – die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur maßgeblich mitentwickelt hat und damit formal wie politisch mitverantwortlich ist. Nicht zuletzt erfährt die WVO breite Zustimmung der Bevölkerung, wie eine aktuelle NABU-Umfrage zeigt: 85 Prozent der Menschen wollen mehr intakte Natur und wünschen sich einen stärkeren politischen Umsetzungswillen zur Wiederherstellung von Naturflächen.
Johannes Enssle, NABU-Landesvorsitzender Baden-Württemberg, betont die besondere Rolle des baden-württembergischen Agrarministers Peter Hauk: „Es ist bedauerlich, dass sich ausgerechnet Agrarminister Peter Hauk als Vorsitzender der AMK an die Spitze dieser Bewegung gesetzt hat. Baden-Württemberg zeigt doch mit seinem Biodiversitätsstärkungsgesetz, dass viele Ziele der europäischen Wiederherstellungsverordnung bereits auf Landesebene verfolgt werden. Mit der Wiederherstellungsverordnung wird ein europaweiter rechtsverbindlicher Rahmen und Fahrplan gespannt, um unsere Natur wieder in Ordnung zu bringen. Auch wir Landesverbände im NABU fordern von unseren Landesagrarministern konstruktive Mitarbeit an der WVO statt Sabotage.“
Hintergrund:
Der „Dinosaurier des Jahres“
Mit dem „Dinosaurier des Jahres“, einer 2,6 Kilogramm schweren Nachbildung einer Riesenechse, zeichnet der NABU seit 1993 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus, die sich durch besonders rückschrittliches öffentliches Engagement gegen Natur- und Umweltschutz hervorgetan haben. Preisträger 2024 war der Berliner Senat für das “Schneller-Bauen-Gesetz", 2023 das „Beschleunigungspakt“ der Ministerpräsidentenkonferenz.
Brief der Landesagrarminister*innen von CDU und CSU an die Europäische Kommission: https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/landwirtschaft/20251229_cdu-agrarlaender_eu-komm.pdf
Weitere Informationen zum NABU-Negativpreis “Dinosaurier des Jahres”: https://www.NABU.de/wir-ueber-uns/aktionen-und-projekte/dino-des-jahres/index.html
24.12.2025
Presse-Statement des NABU-Landesvorsitzenden Johannes Enssle zur heutigen Aufnahme des Wolfs ins Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG)
Per Rechtsverordnung hat CDU-Agrarminister Peter Hauk eigenmächtig und ohne regierungsinterne Abstimmung den Wolf zum 24.12.2025 ins baden-württembergische Jagdrecht aufgenommen. Dazu sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle: „Diese eigenmächtige Aktion von Peter Hauk zu Heiligabend ist nicht nur geschmacklos, populistisch und unchristlich – sie ist auch offenkundig rechtswidrig. Der Wolf ist nach Bundesrecht streng geschützt und kann daher auch nicht ins Entwicklungsmanagement des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes aufgenommen werden. Daran ändert auch die Herabstufung des Wolfes auf europäischer Ebene nichts, denn das Bundesnaturschutzgesetz ist hier als weitergehende Regelung weiterhin maßgebend. Peter Hauk nutzt die medienfreie Weihnachtszeit und die Geburt des Christkindes auf schäbige Weise aus, um Fakten zu schaffen.“
Aus Sicht des NABU geht es dem Minister dabei nicht allein um den Wolf: „Peter Hauk möchte sich zum Schluss seiner Minister-Karriere ein Denkmal setzen. Ganz offensichtlich testet er den Zusammenhalt der Landesregierung aus. Er prüft, inwieweit er wenige Monate vor der Landtagswahl den amtierenden Ministerpräsidenten Kretschmann und seinen Aspiranten Özdemir vor sich hertreiben kann. Lässt sich Ministerpräsident Kretschmann auf der Nase herumtanzen oder weist er den Minister an, die rechtswidrige Verordnung zurückzunehmen?“, fragt Enssle.
Der NABU kündigt an, die Verordnung in jedem Fall gerichtlich überprüfen zu lassen: „Wer so handelt, um einen vermeintlich pragmatischeren Umgang mit Wildtieren wie Biber oder Wolf zu erreichen, wird keine Akzeptanz dafür bekommen. Auf die Kooperation der Umweltverbände darf die Landesregierung bei dieser Vorgehensweise nicht hoffen. Das gilt für den Wolf genauso wie für die angekündigte Biberverordnung.“
Hintergrund: Die heute in Kraft getretene Rechtverordnung zum Wolf finden Sie unter:
https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/gesetze-und-verordnungen/gesetzblatt/detail/2025-159
27.11.2025
Gemeinsame Pressemitteilung von NABU Baden-Württemberg und Stadt Reutlingen
Stuttgart / Reutlingen – Reutlingen ist eine waldreiche Stadt – rund um die Stadt am Fuß der Schwäbischen Alb erstreckt sich mit rund 2.000 Hektar ein stattlicher und vielfältiger Laubmischwald mit Buche, Eiche und Bergahorn. Seit vielen Jahren wird der Wald naturnah bewirtschaftet und bietet Mensch und Natur eine Heimat.
Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf den Erhalt von Biotopbäumen und Totholz gelegt. Mehr als ein Zehntel des Waldes bleibt forstlich ungenutzt. Hier können sich die Waldflächen, ganz frei von menschlichen Eingriffen, zu ökologisch bedeutsamen alten Wäldern entwickeln. „Dieses Engagement hilft vielen Arten, die auf alte Wälder angewiesen sind, wie Bechsteinfledermaus oder Hirschkäfer. Sie finden hier dauerhaft einen attraktiven Lebensraum“, sagt NABU-Landesgeschäftsführer Uwe Prietzel. Im Rahmen eines Besuchs hat der studierte Förster Prietzel sich selbst ein Bild vom Reutlinger Engagement gemacht. Am heutigen Donnerstag zeichnet er die Stadt, vertreten durch Oberbürgermeister Thomas Keck, als zwölften NABU-Naturwaldbetrieb in Baden-Württemberg aus.
Oberbürgermeister Keck erklärt: „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung des NABU. Sie ist eine Anerkennung für unsere langjährigen Anstrengungen zur naturnahen Bewirtschaftung des Waldes und zeigt, dass vieles richtig läuft. Mit Sachverstand und Leidenschaft schaffen wir es, die wertvollen artenreichen Wälder in Reutlingen für heutige und zukünftige Generationen zu bewahren. Auch heute schon erfüllt der Wald viele Aufgaben, ist Erholungs- und Erlebnisraum, Wasserspeicher, Klimaschützer und Biotop. Damit er diesem Anspruch trotz Klimawandel auch künftig noch gerecht werden kann, setzen wir auf Naturverjüngung und eine Vielfalt heimischer Laubbäume, von denen wir erwarten, dass sie mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen.“
Reutlingen ist einer der größten Waldbesitzer im Landkreis mit 2.037 Hektar, von denen 58 Prozent im Biosphärengebiet Schwäbische Alb liegen.
Hintergrund: NABU-Naturwaldbetriebe
Mit dem Prädikat NABU-Naturwaldbetrieb würdigt der NABU Kommunen und Waldbesitzende, die sich einem naturnahen Wald und naturschutzorientierter Waldbewirtschaftung verpflichtet sehen. In Baden-Württemberg gibt es nun zwölf NABU-Naturwaldbetriebe: Bad Dürrheim, Bietigheim-Bissingen, Calw, Hirschberg an der Bergstraße, Kämpfelbach, Königsfeld, Metzingen, Mönchweiler, Pfullingen, Reutlingen, Wimsheim und den Bundesforstbetrieb „Münsinger Hardt“ auf der Schwäbischen Alb.
NABU-Kriterien zur Waldbewirtschaftung in Naturwaldbetrieben:
1. Verzicht auf kahlschlagsweise Nutzung der Wälder
2. Verzicht auf Pflanzung, Vorrang für Naturverjüngung
3. Verzicht auf Chemieeinsatz wie biologische Forstschutzmittel und Kunstdünger
4. Sanfte Betriebstechnik
5. Aktiver Waldnaturschutz durch naturnahe Waldbewirtschaftung und gezielte Maßnahmen des Biotop- und Artenschutzes (mindestens fünf Prozent der Waldfläche bleiben ungenutzt)
6. Sicherung waldökologisch tragbarer Wilddichten, damit sich der Wald selbst verjüngen kann
Weitere Infos: Ausführlicher Kriterienkatalog für NABU-Naturwaldbetriebe

22.11.2025
Stuttgart – Der NABU Baden-Württemberg hat sich heute (22.11.) zu seiner jährlichen Landesvertreter-versammlung (LVV) in Stuttgart getroffen. In einer Resolution forderten die rund 200 Delegierten stellvertretend für die mehr als 132.000 NABU-Mitglieder im Land die Parteien zur Landtagswahl 2026 auf, sich klar und verbindlich zur Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung zu bekennen: „Naturschutz, Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften sind keine Gegensätze. Im Gegenteil: Intakte Ökosysteme bilden die elementare Lebensgrundlage für gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Wer Natur schwächt, gefährdet die Grundlagen unseres Wirtschaftens“, sagte der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle vor den Vertreterinnen und Vertretern der rund 230 baden-württembergischen NABU-Gruppen. Die aktuelle Debatte zum Bürokratieabbau dürfe nicht dazu missbraucht werden, das Naturschutzrecht auszuhöhlen und demokratische Beteiligung abzubauen, so Enssle weiter.
Eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des NABU hat jüngst belegt: Fast 84 Prozent der Menschen im Südwesten stehen parteiübergreifend hinter diesem EU-Gesetz und wünschen sich einen stärkeren politischen Umsetzungswillen.
Der NABU ist mit rund 132.000 Mitgliedern und etwa 3.000 ehrenamtlich Aktiven der größte Naturschutzverband im Land – und wächst weiter. „Wir sind eine starke Gemeinschaft und setzen uns mit all unserem Fachwissen für das Gemeinwohl ein. In gezielten Projekten, mit vielen Partnern und Aktionen zeigen wir, dass sich ehrenamtliches Engagement auszahlt“, erklärte Landesgeschäftsführer Uwe Prietzel. „Auch im Jahr 2026 bleiben wir ein verlässlicher Akteur und Partner“, betonte Prietzel, „mit solider Finanzierung und einem engagierten Team.“
Als Leitfaden zum Handeln hat die Landesvertreterversammlung mit den NABU-Schwerpunkten 2030 das Arbeitsprogramm des Landesverbands für die nächsten fünf Jahre verabschiedet. Landeschef Enssle sagte dazu: „Die Aufgaben sind gewaltig: das Artensterben stoppen, Lebensräume wiederherstellen und den Klimaschutz stärken. Dafür setzt der NABU auf drei Handlungsfelder: eine naturverträgliche Landwirtschaft, mehr Natur im Siedlungsraum und die Naturverträglichkeit der Energiewende.“
Ergebnisse der LVV 2025 im Überblick:
Hintergrund:
Die Landesvertreterversammlung (LVV) ist das höchste Gremium des NABU Baden-Württemberg. Einmal jährlich treffen sich dort die Vertreterinnen und Vertreter der landesweit rund 230 NABU-Gruppen. Die Versammlung wählt u. a. den Landesvorstand, beschließt den Haushalt und entsendet Delegierte in die Bundesvertreterversammlung des NABU.
Link zur verabschiedeten Resolution
Informationen zur Civey-Umfrage
05.09.2025
Stuttgart – Naturschutz ist vielen Menschen im Land ein wichtiges Anliegen, Tendenz steigend: Rund 132.000 Mitglieder verzeichnet der NABU in Baden-Württemberg mittlerweile. Der heute erschienene Jahresbericht 2024 des Naturschutzverbands zeigt exemplarisch, wie die Arbeit des NABU wirkt. „Zentrale Erfolgsfaktoren bei unserem Einsatz für die Natur sind, neben dem großen Rückhalt in der breiten Bevölkerung, eine starke Basis mit rund 230 ehrenamtlich aktiven Gruppen überall im Land sowie solide Finanzen“, sagt NABU-Landesgeschäftsführer Uwe Prietzel. „So können wir uns direkt vor Ort für die Lebensräume von Kiebitz und Rebhuhn, Mopsfledermaus und Feldgrille einsetzen – und uns als Anwalt der Natur für die dringend notwendigen politischen Weichenstellungen stark machen.“
Hand in Hand: Bewährte Konzepte und neue Wege
In gezielten Projekten, mit vielen Partnern und Aktionen setzt sich der NABU für den Natur- und Artenschutz in Baden-Württemberg ein. Dabei setzt der Verband auf bewährte Konzepte und erschließt zugleich neue Wege. So wurden in der Saalbachniederung 30 Jahre ehrenamtliches NABU-Engagement mit der Einstufung als Naturschutzgebiet belohnt, 1.250 Hektar Wälder, Wiesen und Feuchtbiotope stehen seit 2024 unter Schutz. In der Nachkriegszeit ist die einst riesige Wiesenlandschaft nach und nach trockengelegt und fast komplett umgebrochen worden, kaum ein Vogel fand in den 1980er Jahren hier noch Nahrung oder einen Brutplatz. Jetzt rasten und brüten hier wieder viele seltene Vogelarten, seit der NABU mit Hilfe von Partnern Flachgewässer angelegt hat und die Saalbachwiesen extensiv bewirtschaftet. Zu verdanken ist dieser Erfolg vor allem Franz Debatin vom NABU Hambrücken, der seit 1994 mit Spendenmitteln landwirtschaftliche Flächen aufkauft und Betriebe sowie Behörden für Naturschutzmaßnahmen gewinnt.
Neue Wege geht der NABU in Südbaden: „Es ist sehr aufwändig, Vogelarten und Insekten in Schutzgebieten auf herkömmliche Weise zu erfassen. Deshalb setzen die Kolleginnen und Kollegen hier künstliche Intelligenz ein“, erläutert Prietzel. Rekorder zeichnen die Stimmen von Vögeln und Heuschrecken auf. Die einzelnen Arten werden automatisch bestimmt und an einen Server übertragen. Zusammen mit Kartierungsdaten entsteht so ein detailliertes Bild der Gebiete. Dadurch lässt sich zum Beispiel besser entscheiden, wann gemäht werden kann, um die Vogel- und Insektenwelt bestmöglich zu schonen.
Stabile Basis dank solider Finanzplanung
Solide Planung, transparentes Handeln und ein verantwortungsvoller Umgang mit den treuhänderisch zur Verfügung gestellten Mitteln kennzeichnen die Arbeit des NABU-Landesverbands. „Wir haben das Finanzjahr abermals mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Der Überschuss lag bei 772.000 Euro, verantwortlich dafür sind insbesondere zweckgebundene Projektzuschüsse, die in den Folgejahren verausgabt werden, sowie ein einmaliger Zuschuss der Stiftung Naturerbe Baden-Württemberg“, berichtet Prietzel. Die NABU-Stiftung Naturerbe Baden-Württemberg hat das Haushaltsjahr 2024 ebenfalls mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Die Erträge aus der Stiftung werden in konkrete Naturschutzprojekte des NABU in Baden-Württemberg investiert.
Jahresbericht 2024 des NABU Baden-Württemberg zum Download: www.NABU-BW.de/jb2024
Der NABU ist Mitglied der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.