Tipps rund um die Wildvogelpflege

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Ganzjahresfütterung bei Vögeln – ja oder nein?

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Angesichts der Berichte über das Insektensterben fragen sich viele Vogelfreundinnen und -freunde, ob sie Kohlmeisen, Hausrotschwänze oder Amseln auch im Sommer mit speziellem Futter unterstützen sollen.

Doch hilft man den Vögeln wirklich, indem man auch im Sommer Futter zur Verfügung stellt? Was sind die Vor- und Nachteile einer ganzjährigen Fütterung? Welches Futter sollte man im Frühjahr und Sommer anbieten – und welches lieber nicht?

 

Antworten auf diese und andere Fragen rund um die Sommerfütterung finden Sie hier.

Tipps zur Vogelfütterung im Winter finden Sie hier


Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg vom 29.10.2025

So werden die Vögel im Garten satt

Fünf Fragen und Antworten zur Vogelfütterung im Winter

In naturnahen Gärten herrscht aktuell reger Flugbetrieb: Kohl- und Blaumeisen, Amseln, Buchfinken, Rotkehlchen und Spechte suchen im Gras, an Büschen und Bäumen nach Leckerbissen und machen Stippvisite an Futterstellen. Viele naturbegeisterte Menschen fragen sich: Soll ich die Gartenvögel jetzt schon füttern, womit und wie? NABU-Ornithologe Stefan Bosch hat Antworten auf fünf zentrale Fragen rund um die Vogelfütterung im Herbst und Winter.

 

Soll ich im Winter überhaupt füttern?

„Ja, Vögel füttern macht Spaß und schafft während der kalten Jahreszeit ein tolles Naturerlebnis direkt im eigenen Garten und auf dem Balkon. Es hilft jedoch nur häufigen Arten und meistens den Körnerfressern“, sagt NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Das große Flattern am Futtersilo begeistert auch Kinder. Damit immer was los ist, sollte regelmäßig aufgefüllt werden. „Vögel sind bekanntlich mobil, sie fliegen stets dorthin, wo das leckerste Futter auf sie wartet“, so Bosch. 

 

Welches Futter schmeckt welchem Vogel?

Sonnenblumenkerne, auch geschält, sind ein gutes Basisfutter und bei vielen Arten beliebt. Körnerfresser, wie Finken, Sperlinge und Meisen, mögen auch Mischungen mit verschiedenen Körnern und Samen. Meisenknödel bestehen aus Samen und Fett. Sie sollten in einem extra Knödelspender aufgehängt werden statt im Plastiknetz. Äpfel, Rosinen und Haferflocken oder Weichfuttermischungen lieben Amseln und Rotkehlchen. Wichtig ist, keine Speisereste oder Brot anzubieten und nur trockenes und frisches Futter. Wer das Vogelfutter nicht im Fachhandel, sondern im Bau- oder Gartenmarkt besorgt, sollte auf eine Empfehlung der Naturschutzverbände achten sowie möglichst „Bio“ und regional kaufen. Die Körner müssen frei von Samen der Allergien auslösenden Ambrosia-Pflanze sein. 

 

Welcher Futterspender ist der beste und wo kommt er hin?

Eine saubere Sache sind Silo-Futterspender, die sich leicht in Ordnung halten und auffüllen lassen. Die Körner sind darin vor Kot, Wind und Wetter besser geschützt als im offenen Futterhäuschen. Den Futterspender hängt man unerreichbar für Katzen auf, in der Nähe von Bäumen oder Büschen als Rückzugsmöglichkeit. Am besten wettergeschützt unterm Dach, mit ausreichend Abstand zu Glasscheiben, damit die Vögel nicht dagegen fliegen. Damit sich unter dem Futterspender kein Dreck sammelt, kann man ab und zu den Standort wechseln. Ein klassisches Vogelhäuschen muss täglich ausgefegt und alle ein bis zwei Wochen mit heißem Wasser und Bürste gereinigt werden. So haben Krankheitskeime kaum Chancen, sich unter den Vögeln auszubreiten.

 

Hilft die Vogelfütterung dem Artenschutz?

Leider nein, denn für eine artenreiche Vogelwelt braucht es in ganz Baden-Württemberg natürlich wachsendes Vogelfutter. Nur etwa zehn bis 15 häufige Arten nutzen das Futterstellen-Buffet, in der Regel sind keine gefährdeten darunter. Besonders wichtig sind deshalb Brachflächen in der Feldflur, naturnahe Grünflächen und Gärten sowie ein artenreicher Mischwald. „Wo es eine Vielfalt an Futterquellen gibt, steckt das pure Leben. Hier finden sich Lebensräume für Raupen, Würmer, Schmetterlinge und Käfer – und auch Vögel werden satt“, betont Bosch. „Pflanzen Sie regionale Sträucher, die im Winter Früchte tragen, lassen sie eine Wiese wachsen und das Laub auf Beeten und unter Sträuchern liegen, damit Vögel sich ihr Futter dort selbst suchen können“, rät der NABU-Vogelexperte.

 

Wann starte ich mit dem Vogelfüttern?

„Klassischerweise ist etwa zwischen November und Ende Februar die Futterstelle eröffnet“, sagt Bosch. Am besten füttert man dann, wenn es wirklich kalt ist und Frost sowie Schnee die Futtersuche erschweren. „Nach dem aktuellen Kälteanbruch kommen oftmals verstärkt Vögel ans Futterhaus und es lassen sich die ersten Wintergäste aus dem Norden, wie der Erlenzeisig, beobachten“, erklärt der Ornithologe. Wenn Felder abgeerntet und Wiesen gemäht sind, finden Vögel in der Natur weniger Futter. Können sie sich am Futtersilo satt fressen, sparen sie Energie.

 

Weitere Infos zum Thema Vogelfütterung

Wer frisst was?


Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg vom 01.10.2025

Gute Stube für Vögel und Wintergäste im Garten

Im Herbst Nistkästen reinigen, neuen Wohnraum schaffen und Gärten vogelfreundlich gestalten

Stuttgart – Die Jungvögel sind ausgeflogen – nun beginnt der Herbstputz. „Jetzt ist die beste Zeit, um Nistkästen zu reinigen. Vor dem Öffnen bitte anklopfen. So erspart man sich und möglichen Zwischenmietern einen Schreck“, berichtet NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Ist die Unterkunft durch Siebenschläfer, Insekten, Haselmaus oder Fledermäuse belegt, säubert man sie später.

 

„Für viele Vogelarten ist ein Nistkasten nicht nur ein Familienwohnsitz in der warmen Jahreshälfte: Meisen, Kleiber oder Zaunkönige schlüpfen auch in kalten Herbst- und Winternächten gern in die trockene Stube. Auch Star oder Hausrotschwanz, eigentlich Zugvögel, nutzen sie, sofern sie bei uns überwintern. Damit sich die Tiere keine lästigen Parasiten einfangen, ist es gut, alte Nester zu entfernen“, rät Bosch. Ohnehin bauen die meisten Vögel für jede Saison ein neues Nest: „Das ist nicht wie beim Häuslebauen – ein Heim für viele Generationen. Stattdessen fertigen die meisten Vogeleltern im Frühjahr mit dem bevorzugten Material ein neues, bedarfsgerechtes Nest.“

 

Keine Regel ohne Ausnahme: Weil Gartenrotschwanz oder Zaunkönig gern altes Nistmaterial als Grundlage nutzen, kann man ihre Nistkästen auch nur ab und zu sauber machen.

 

Nistkasten reinigen – so geht’s

Eine Nisthilfe muss nicht klinisch rein, sondern nur von altem Nistmaterial befreit sein. Es reicht, den Kasten danach auszubürsten. Tabu sind chemische Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel oder Insektensprays, die den Tieren schaden können. Außerdem sollte man Handschuhe und wegen des Staubs eine Atemschutzmaske tragen. Die Nistkastenpflege ist auch ein detektivischer Putzjob, denn das Nistmaterial zeigt an, welche Art hier zuletzt zuhause war. Gartenvögel wie Meisen polstern ihr Heim dabei kuschelig warm mit viel Moos und Tierhaaren aus.

 

Weil Hunde- oder Katzenhaare für Vogelkinder giftige Zecken-, Floh- oder Läusemittel enthalten können, bittet der NABU, keine Haustierhaare im Garten auszubringen. Eine britische Studie hatte in Meisennestern 17 verschiedene Giftstoffe nachgewiesen, darunter solche, die auf dem Acker längst verboten sind. 

 

Nisthilfe für die Vogelbeobachtung

„Ein Nistkasten bietet immer einen Platz für spannende Naturbeobachtungen direkt vor der Haustür“, sagt NABU-Ornithologe Bosch. Im Herbst kann man in Ruhe den richtigen Platz zum Aufhängen suchen oder sogar einen neuen Nistkasten selbst bauen. Alte Kästen sollten auf Schäden geprüft und repariert werden. Je nach Vogelart fällt die Wahl auf einen kleinen oder großen Meisenkasten, ein Spatzenhaus, einen Halbhöhlenkasten oder gar eine spezielle Hilfe für Mauersegler und Schwalben. Damit Vögel erfolgreich brüten, brauchen sie neben einem Nistplatz ein vogelfreundliches Umfeld mit reichlich Insekten und Nistmaterial wie Moos, trockenes Gras oder Laub.

 

Herbst für Pflanzzeit im Garten nutzen

In naturnahen Gärten finden Vögel auch bei Wind und Wetter einen sicheren Unterschlupf. Mangelt es im Garten noch an heimischen Sträuchern und Bäumen? Jetzt im Herbst lassen sich regionale, an Boden und Klima angepasste Sorten pflanzen, die schon bald groß genug sind, um den Vögeln Futter, Nistplatz und Wetterschutz zu bieten.

 

Schön und vielfältig sind Wildrosen, die Nistplätze und Hagebutten als Nahrung bieten. Geeignete Vogelsträucher sind auch Vogelbeere, Kornelkirsche, Holunder oder Weißdorn. Wer viel Platz hat, kann Obstbäume setzen oder zu Feldahorn, Hainbuche und Salweide greifen. Damit alles gut anwächst, regelmäßig gießen.

 

Hintergrund:

Tipps zu Nistkästen und vogelfreundlichen Gärten

Weitere Informationen zu Gefahren für Nestlinge


Vögeln bei Hitze helfen

Tipps für Garten und Balkon

Haussperling beim Baden. - Foto: NABU/Jan Piecha
Haussperling beim Baden. - Foto: NABU/Jan Piecha

Nicht nur wir Menschen kühlen uns an hochsommerlichen Tagen gerne ab, auch die Vögel haben Strategien, um mit der Hitze fertig zu werden.

Steigt das Thermometer auf 30 Grad und mehr, sind Gartenteiche, Wasserläufe oder Vogeltränken im Garten und auf dem Balkon besonders belebt und beliebt.

Wie Sie Vögeln bei der Abkühlung helfen können und worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie hier


Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg vom 12.05.2025

So lassen sich Gefahren für Jungvögel erkennen und bannen

Die wichtigsten Tipps für die Vogelbrutzeit von NABU-Vogelexpertin Alexandra Ickes

Stuttgart – Jetzt im Frühling ist die Natur voller junger Vögel. Weil sie besonders verletzlich und unerfahren, aber auch vielen Gefahren ausgesetzt sind, fliegt am Ende der Brutzeit nur ein kleiner Teil der Tiere erfolgreich aus.

 

„Die größte Bedrohung unserer Vogelwelt ist der Verlust an Lebensraum“, sagt NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes. „Eine vielfältige Natur ist der beste Platz für Tiere. Bitte unterstützen Sie unsere Vögel, damit sie überall in Baden-Württemberg auf Wiesen, in Wäldern und Gärten satt werden und sichere Brutplätze finden“, so Ickes.

 

Die NABU-Referentin hat fünf Risiken identifiziert, die jetzt besonders Jungvögeln das (Über)Leben schwer machen – aber auch passende Lösungsvorschläge parat: 

 

Risiko 1: Vogelschlag

Fast überall lauern für Vögel gefährliche Glasfronten. Schwimmbäder, Wintergärten, Lärmschutzwände, Hallen, Firmengebäude, Behörden, Wartehäuschen – Glas ist allgegenwärtig. Vermutlich ist Vogelschlag die häufigste menschengemachte Todesursache für Vögel. Geschätzt Millionen Vögel prallen jedes Jahr mit Tempo 30 bis 60 km/h auf Glasflächen und sterben. Besonders die Spiegelung von Himmel oder Vegetation, Durchsicht ins Grüne und nächtliches Licht sind problematisch.

 

Lösung: Bereits beim Bau zu vogelsicherem Glas greifen und kritische Glasflächen nachrüsten. Dafür gibt es Streifen-, Punkt- oder andere Muster und Markierungen, die großflächig aufgeklebt werden. Sie stören die Durchsicht kaum, bieten aber Vögeln einen sicheren Schutz. Es muss die gesamte Glasfläche mit Punkten oder Streifen beklebt werden. Zwischen den Mustern sollte nur eine Handbreit Platz haben. Wirkungslos sind Greifvogelsilhouetten, die nur punktuell aufgeklebt werden.

 

Weitere Informationen zu Vogelschlag an Glas und was man dagegen tun kann finden Sie hier.

 

Risiko 2: Katzen und andere Beutegreifer

Des Menschen liebstes Haustier ist ein erfolgreicher Jäger, zum Leidwesen vieler Wildtiere. Ihrem Jagdinstinkt folgend, durchstreifen Katzen größere Reviere und fangen dort Haus- und Feldmäuse, aber auch Libellen, Blindschleichen, Zauneidechsen, Kleinsäuger und vor allem Vögel aller Art.

 

Lösung: Wer eine Freigängerkatze hat, kann Maßnahmen zum Schutz der Vogelbrut ergreifen. Für Katzen ungefährlich sind bunte Halskrausen, die oft wirksam verhindern, dass sich Katzen unbemerkt anschleichen. Es hilft auch, Katzen von Mitte Mai bis Mitte Juli oder auch ganzjährig nur nachts rauszulassen, wenn die meisten Vögel schlafen. Wer viel mit der Katze spielt, kann eventuell ihre Jagdambitionen reduzieren. Gefährdete Bäume mit Vogelnestern lassen sich durch katzenabweisende Manschettenringe sichern. Viele heimische Straucharten haben Dornen, etwa Weißdorn, Schlehe und Wildrosen, und schützen die Nester und Vögel so ganz natürlich. „Setzen Sie sich außerdem in Ihrer Kommune für eine Katzenschutzverordnung ein – dadurch streunen weniger Katzen umher, was auch aus Tierschutzsicht sinnvoll ist“, rät Ickes.

 

Risiko 3: Falsche Fütterung

Die Sommerfütterung von Vögeln ist ein schönes Naturerlebnis, aber umstritten. Die meisten Vögel brauchen zur Aufzucht ihrer Jungen jede Menge Insekten als proteinreiche Nahrung. Damit etwa kleine Kohlmeisen satt werden, muss ein Vogelelternpaar pro Saison rund ein Kilogramm Insekten jagen. Jungvögel sind sensibel – in den ersten Wochen werden sie von ihren Eltern ausschließlich mit frischen, proteinreichen Insekten gefüttert.

Ickes rät: „Verzichten Sie auf schwer verdaubare Erdnuss-Bruchstücke oder ganze Sonnenblumenkerne, an denen Jungvögel ersticken können.“

 

Lösung: „Eine vielfältige, blüten- und damit insektenreiche Natur ist das A und O für unsere Vogelwelt. Wer einen Garten hat, sollte diesen vielfältig, vogel- und insektenfreundlich gestalten. Wo Insekten Blüten und einen Lebensraum finden, werden Vögel eher satt“, betont Ickes. Wer füttern möchte, greift zu kleinen Sämereien oder bietet Insektenfutter frisch oder aufgetaut an, aber möglichst nicht getrocknet. Und setzt auf Qualität statt Quantität, am besten stammen die Körner aus biologischer Landwirtschaft.

 

Risiko 4: Unnötig mitgenommen

Piep, piep, ruft es unterm Busch und auf der Mauer. Viele Jungvögel verschiedenster Arten, von Amsel bis Stockente, sind Nestflüchter. Sie verlassen ihr Nest, bevor sie richtig fliegen können. Mitunter sitzen sie herum und senden Standortsignale sowie Bettelrufe an ihre Eltern, damit sie mit Futter versorgt werden. „Für gesunde Vögel ist es in der Regel am besten, sie an Ort und Stelle zu lassen, damit die Eltern ihre Jungtiere weiter versorgen können“, weiß Alexandra Ickes.

 

Lösung: Erst prüfen, dann handeln. Ist der „Nestling“, also der im Nest sitzende und dort von den Eltern versorgte Vogel, aus seinem Nest gefallen und hilflos, dann vorsichtig dorthin zurücksetzen, dabei am besten Handschuhe tragen. Ist der Vogel in Gefahr, weil er zum Beispiel am Straßenrand sitzt, dann zu einer schützenden dichten Hecke bringen. Wartet der „Ästling“ am Boden auf Futter, dann gelassen eine Stunde beobachten. Erst danach Hilfe, etwa bei Auffangstationen, suchen. Der NABU gibt Tipps, um besser einschätzen zu können, ob ein Jungvogel wirklich Hilfe braucht.

 

Risiko 5: Heckenschnitt

Ein schneller sauberer Schnitt mit der Heckenschere und schon ist der Sichtschutz zum Nachbarn wieder in Form. Doch wer zu schnell und unbedacht schneidet, erlebt mitunter eine traurige Überraschung: Eine späte Amselbrut, die im Dickicht der Hecke auf die Vogeleltern wartet, ist nach dem Schnitt ungeschützt und wird vermutlich bald von einem Nesträuber erbeutet.

 

Lösung: Erst ab 1. Oktober, wenn die Vogelbrutsaison zu Ende ist und die Vögel ihre Reviere im Garten aufgeben, sollte man Hecken und Bäume wieder in Form bringen. Nicht nur Privatleute, auch Gartenbaubetriebe sollten sich bewusst sein: Eine Störung kann dazu führen, dass Vögel ihre Küken veranlassen, die dann verhungern.

 

Hausrotschwanz Fütterung. - Foto: NABU/Jan Piecha
Hausrotschwanz Fütterung. - Foto: NABU/Jan Piecha

Gut zu wissen

Jungvogel-Ansturm im NABU-Vogelschutzzentrum

Mit dem schnell einsetzenden Frühling hat das NABU-Vogelschutzzentrum in Mössingen wieder eine ganze Schar Jungvögel aufgenommen: Etwa fünfzig Vögel sitzen, nach Größe und Art getrennt, in Brutkästen, unter Wärmelampen, in Volieren und Nestern – und wollen, teils halbstündlich, mit Insektennahrung gefüttert werden.

 

Das Team hat mit ihnen alle Hände voll zu tun. Die meisten wurden aus echten Notlagen gerettet. Manche landen aber unnötig dort und besetzen Plätze, die verletzte Vögel dringend brauchen würden.

 

Aktuell versorgt das Team zwanzig junge Kohlmeisen, drei Stare, elf Amseln, vier Hausrotschwänze, sieben Haussperlinge, eine Bachstelze, zwei Gänsesäger und zwei Schwanzmeisen. Sie werden drei bis vier Wochen gefüttert, dann beringt und können später in einer Auswilderungsvoliere selbst wählen, wann sie in die Freiheit fliegen. Stand: Mai 2025

 

Informationen zum Vogelschutzzentrum finden Sie unter www.nabu-vogelschutzzentrum.de


Vogelschlag an Glas

Tote Singdrossel durch Fensteranflug. - Foto: NABU/Anette Wolff
Tote Singdrossel durch Fensteranflug. - Foto: NABU/Anette Wolff

Über 100 Millionen Vögel in Deutschland kollidieren jedes Jahr allein an Glasscheiben von Gebäuden. Betroffen sind insbesondere Siedlungsarten, wie Amsel, Grünfink und Haussperling, die nah bei uns Menschen leben.

Im Frühjahr und Herbst sind Zugvögel besonders gefährdet: Am Tag wandernde Arten prallen gegen Scheiben, in denen sich Landschaft spiegelt. Viele Arten, die nachts ziehen, werden von beleuchteten Glasflächen magisch angezogen. Betroffen sind nahezu alle Zugvögel von Rotkehlchen und Sommergoldhähnchen bis zu Schwalben und Mauerseglern.

 

Ein häufiger Unglücksort von Vogelschlag sind spiegelnde Fensterscheiben, verglaste Ecken und große Glasflächen an Wohn-, Büro-, Geschäftshäusern sowie Sport- und Veranstaltungshallen. Aber auch eine übliche Terrassentür, gläserne Windfänge, Wintergärten und Lärmschutzwände sowie Buswartehäuschen, Raucherpavillons, Fahrradabstellanlagen und Einkaufswagenunterstände können zur Falle für Vögel werden: „Für das Vogelauge sind diese gläsernen Unterstände, vor allem auf freier Fläche, praktisch unsichtbar. Ungebremst prallen sie teilweise mit bis zu 20 Kilometern pro Stunde auf die Scheiben auf. Dann kommt für sie meist jede Hilfe zu spät", erklärt der NABU-Ornithologe Stefan Bosch.

 

Vogelschlag am Glas mit einfachen Mitteln verhindern

Doch zum Glück gibt es einfache und kostengünstige Lösungen, die Todesfallen entschärfen. Ein flächiges Muster mit Punkten, Streifen oder andere kreative Ideen helfen den Vögeln, das Hindernis früh zu erkennen. Wichtig dabei ist: Die Abstände zwischen den Elementen sollten nicht größer als eine Handbreit sein, damit die Vögel nicht versuchen, durch die vermeintliche Lücke hindurchzufliegen. Wer sich neue Fenster anschafft, sollte den Vogelschutz direkt mit bedenken und mattes oder strukturiertes Glas einsetzen.

 

Völlig nutzlos sind laut dem Vogelexperten Greifvogelumrisse zum Aufkleben. „Hausbesitzende greifen zum Schutz der Vögel besser zu Vorhängen, Jalousien, Schnüren oder Fenstermalerei.“ Ob dreckige Scheiben einen geeigneten Schutz darstellen, da ist sich Bosch nicht sicher. Putzmuffel können den Vogelschutz daher leider nicht als Ausrede nutzen.

 

Weitere Informationen und Tipps für vogelsicheres Glas finden Sie hier.